Prosaband "Das allgemein Unmenschliche" : Tor Ulven sieht ins Herz der Finsternis

Der Norweger Tor Ulven legt mit "Das allgemein Unmenschliche" einen Band mit Prosastücken vor, der in die Düsternis unserer Existenz vordringt.

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Cover von Tor Ulvens "Das allgemein Unmenschliche".
Cover von Tor Ulvens "Das allgemein Unmenschliche".Foto: promo

"Das allgemein Unmenschliche" heißt ein in die Düsternis unserer Existenz vordringender Band mit Prosastücken des im norwegischen Oslo geborenen Autors Tor Ulven. Es ist ein Buch, das kein Schlupfloch ins Licht lässt, das kaum Illusionen nährt und in dem doch immer wieder kleine Glückssplitter leuchten und Trostgedanken wärmen.

Dieser erstmals ins Deutsche übertragenen Prosa ist das einzige Interview angehängt, das Tor Ulven je gegeben hat. Eine Coda mit Inspektionen des eigenen Schreibens, Gedanken zur Funktion der Kunst, zum Scheitern am Dasein. Ganz unverkennbar ist in diesem Gespräch die Poetologie Ulvens enthalten; es ist ein Vermächtnis des Autors, der sich 1995 mit 41 Jahren das Leben nahm. „Wenn man zu dem wesentlichen Schmerz im Leben gelangt, ist das Kunstwerk tot und machtlos. Die Kunst kann wie ein kleines Pflaster sein. Aber Pflaster helfen nicht gegen Krebs. Deshalb haftet der Kunst etwas Hilfloses und Lächerliches an.“

Tor Ulven begann als Lyriker. Von den späten siebziger Jahren an, er debütierte 1977, veröffentlichte er mehrere Lyrikbände, einen Roman und Bücher mit Kurzprosa. Auf Deutsch erschien vor zwei Jahren der Geschichtenband „Dunkelheit am Ende des Tunnels“, der mit dem Preis der unabhängigen Verlage ausgzeichnet wurde. In „Das allgemein Unmenschliche“ sind zwei weitere Kurzprosa-Bücher versammelt: „Verzehr“ sowie „Sein und Spiegel“. Die Texte haben fast lyrischen Charakter. Sie erscheinen wie Kapseln, und in jeder einzelnen davon ist eine ganze Welt enthalten. Es gibt Motive, die immer wiederkehren: das Verschwinden, die Auflösung, das Vergehen von Zeit, der Schrecken, der sich in den alltäglichsten Dingen verbirgt, die Begegnung mit der eigenen Verlorenheit. Memento mori, allüberall.

Tor Ulven legt Skelette frei

Skelette werden sprachlich freigelegt, unverhüllt von allem Fleisch. Und doch sind diese Texte von einer nüchternen, gerade in ihrer Schmucklosigkeit beeindruckenden Würde. Man kann diese oftmals hermetischen Miniaturen der Trauer kaum am Stück lesen, weil sie einem sonst zu nahegehen würden. Aber es sind Texte, die auf unbedingte Weise mit der Wahrheit bekannt machen wollen. Ein paar Wagemutige werden Ulven ins Herz der Finsternis folgen.
Tor Ulven: Das allgemein Unmenschliche. Aus dem Norwegischen von Bernhard Strobel. Literaturverlag Droschl, Graz 2014. 204 Seiten, 22 €.

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