Kultur : Protest gegen das Mahnmal - Gibt es schon genug Gedenkstätten in Berlin?

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Die für morgen, elf Uhr, vorgesehene Zeremonie zur Aufstellung von Informationstafeln auf dem Gelände des künftigen Holocaust-Mahnmals sorgt seit Tagen für bauliche Aktivitäten: Der rohe Bretterzaun, der das Areal an der Behren- und Ebertstraße hermetisch abschloss, ist einem durchsichtigen, freundlicheren Drahtzaun gewichen. Gestern wurden Holztreppen installiert, über sie werden die Bundestagsabgeordneten nach ihrer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Plenarsaal auf das zum Teil planierte Gelände gelangen. Von den vier großen Bau-Informationstafeln, die in alle Himmelsrichtungen weisen, ist lediglich eine verhüllt. Der Text sagt, auch in Englisch, dass auf Beschluss des Deutschen Bundestages an diesem Ort das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ("Memorial to the Murdered Jews of Europe") nach dem Entwurf des Architekten Peter Eisenman errichtet wird. "Baubeginn: Sommer 2001". An dem turmartigen Gerüst mit den vier Bauschildern sprechen morgen der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, und seine Stellvertreterin Lea Rosh für den Förderkreis.

Gestern stand fröstelnd Hans-Joachim Magnor neben seinem Transparent: Mit blauen Buchstaben auf weißem Stoff sagt der 58jährige Spandauer Pensionär, dass er (unterstrichen) kein Nazi, aber gegen das Mahnmal sei. Er wolle öffentlich Farbe bekennen, eine persönliche Initiative ergreifen und seinen Unmut kundtun. Berlin besitze über 70 Gedenkstätten, von der Villa der Wannsee-Konferenz über die Topografie des Terrors bis zum neuen Jüdischen Museum, "da muß dieses Filetgrundstück nicht für ein monströses Steinfeld verschleudert werden". Im übrigen sei der Protest eine Solidaritätsbekundung zu Eberhard Diepgens ablehnender Haltung - "und gut für meine Seele".

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