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Protest gegen Disney: Kinos boykottieren "Avengers" : Wer verdient am Film?

Bundesweit protestieren 700 kleine Kinobetreiber auf dem Land gegen die Preispolitik des Disney-Konzerns. Sie boykottieren den Film „Avengers: Age of Ultron“, weil der Verleih die Miete auf über 50 Prozent erhöht hat.

Chris Evans (l) als Captain America und Chris Hemsworth als Thor in einer Szene aus "The Avengers: Age of Ultron".
Chris Evans (l) als Captain America und Chris Hemsworth als Thor in einer Szene aus "The Avengers: Age of Ultron".Foto: Jay Maidment / Marvel / dpa

Trotz einer großen Fangemeinde verzichten fast 700 Kinos in Deutschland darauf, den am Donnerstag startenden Film „Avengers: Age of Ultron“ zu zeigen. Der Grund: Die Kinobetreiber wollen gegen die Preispolitik des Disney-Konzerns protestieren, der die Verleihmiete für den Streifen für Kleinstadtkinos auf dem Land von 47,7 auf 53 Prozent pro verkaufter Eintrittskarte angehoben hat.

„Die Entscheidung ist getroffen, und dabei bleibt es“, sagte Kinobetreiber Karl-Heinz Meier aus dem niedersächsischen Quernheim bei Diepholz. Bundesweit beteiligen sich seinen Angaben zufolge 686 Kinos in 193 Orten an dem Boykott. Meier ist Sprecher der „I.G. Nord“, einem Zusammenschluss von Kinobetreibern aus Norddeutschland.

Kinobetreiber fürchten Kostensteigerung durch Verleiher

Nach der Umrüstung auf digitale Projektionstechnik und der Einführung des Mindestlohnes befürchten die mittelständischen Kinobetreiber eine weitere Kostensteigerung durch die Verleiher. „Unser Angebot an Disney war: Bei 50 Prozent würden wir spielen“, sagte Meier. Das sei noch tragbar aus Sicht der Kinos in der Provinz. Bei schlechteren Konditionen befürchte er ein Kinosterben in der Fläche. Er habe auch Unterstützung aus den großen Kinoketten bekommen. „Sie würden uns gerne unterstützen, können es aber nicht, aus vertraglichen Gründen“, sagte Meier.

Viele kleine Kinos seien in den vergangenen Jahren mit Geldern aus der Filmförderung und aus Steuergeldern bei der Umrüstung auf Digitaltechnik unterstützt worden, sagte Andreas Kramer vom Kino-Fachverband HDF - pro Leinwand waren das Kosten von 70 000 bis 110 000 Euro, je nachdem, ob auch 3D-Technik eingebaut wurde. Die Gelder seien geflossen mit der Begründung, dass die Unternehmer die Kinokultur in der Fläche erhalten sollen.„Jetzt haben wir die absurde Situation, dass diese Förderung mit Steuergeldern konterkariert wird durch eine kurzfristige und ungerechtfertigte Veränderung der Verleihkondition“, sagte Kramer.

Disney wollte sich nicht zu dem Thema äußern.

Bilder zu "Avengers: Age of Ultron"
Captain America (Chris Evans) in einer Szene aus "Avengers".Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Jay Maidment / Marvel /dpa
23.04.2015 09:26Sie retten mal wieder die Welt: die "Avengers", hier im Bild: kein geringer als Captain America (Chris Evans). "Age of Ultron“ ist...

Wie setzt sich der Preis für die Kinokarte zusammen?

Warum erhöhen die Kinos nicht einfach die Eintrittspreise? Natürlich könnten sie das, und möglicherweise würden das die Fans bei diesem Film auch mitmachen. Aber: Wenn das Beispiel von Disney Schule macht und auch andere Verleiher die Filmmieten für Kleinstadtkinos von 47,7 auf 53 Prozent anheben, gilt das auch für Filme, die nicht so gut laufen. Außerdem haben die Kinobetreiber in jüngster Zeit einige Kostensteigerungen zu verkraften gehabt, sagt Kramer.

Auch nach Einführung des Mindestlohnes vor einigen Monaten stiegen die Preise. „Die Luft für Preiserhöhungen ist jetzt erst einmal raus“, sagt Kramer. Und gerade auf dem Land seien viele Kinokunden sehr preissensibel.

Wie setzt sich denn der Preis für die Kinokarte zusammen? Vor zwölf Jahren hat im Auftrag der Filmwirtschaft ein Marketing-Institut den Kinokartenpreis analysiert - die Struktur gilt laut Kramer noch heute. 10 Prozent des Eintrittspreises sind Steuern und Abgaben. Bis zu 53 Prozent beträgt die Filmmiete. Gut 20 Prozent müssen für die Miete und den Kapitaldienst für Investitionen aufgebracht werden. Der Rest teilt sich auf die Personalkosten, die Werbung und Marketing und die sonstigen Verwaltungskosten auf. Aus dem Verkauf von Eintrittskarten allein ist ein rentabler Kinobetrieb nicht möglich. Weitere Einkünfte aus dem Verkauf von Getränken, Süßigkeiten und Werbung müssen das Kino mitfinanzieren.

Wer wählt die Filme aus?

Die Filme wählen die Kinobetreiber aus. „Wir beobachten den Markt, der aus den USA zu uns kommt. Wir bekommen Filmstaffeln von den Verleihern, wo die Produktionen eines Jahres drinstehen“, erklärt Karl-Heinz Meier. Die Entscheidung, welcher Film gezeigt werde, müssten die Filmtheaterbesitzer nach kaufmännischen Gesichtspunkten treffen. Allerdings stellten die Verleiher oft Bedingungen, etwa zu den Laufzeiten, oder ob und welche anderen Filme noch gespielt werden dürfen.

Gehen die Leute überhaupt noch gern ins Kino? Unterschiedlich. In jüngster Zeit habe die Gruppe der Menschen ab 55 Jahre das Kino wieder stärker für sich entdeckt, sagen Kramer und Meier. Bei diesen Kinogängern war etwa der Film „Honig im Kopf“ von Til Schweiger sehr beliebt. Die Altersgruppe von 14 bis 28, die traditionell die Hauptgruppe der Kinogänger ist, geht inzwischen weniger oft ins Kino. Die Konkurrenz durch andere Freizeitbeschäftigungen sei größer geworden, sagt Kramer. Ein Problem für die Kinos, die bei den Jüngeren wieder beliebter werden wollen.

„Avengers: Age of Ultron“ ist die Fortsetzung von Marvels erfolgreicher Comic-Adaption „The Avengers“ aus dem Jahr 2012. Auch diesmal steht nicht weniger auf dem Spiel als die Rettung des Planeten Erde. Die Avengers, erneut verkörpert von so bekannten Schauspielern wie Scarlett Johansson, Chris Evans und Robert Downey Jr., bekommen es mit Ultron zu tun, einem hochgefährlichen Kampfroboter. Auch diesmal kommt die Regie von Joss Whedon. (dpa)

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