Kultur : Prozess um 235 Gemälde in Holland

Thomas Roser

In den Niederlanden hat in dieser Woche einer der aufsehenerregensten Beutekunst-Prozesse der letzten Jahre begonnen. Die Erben des jüdischen Kunsthändlers Jacques Goudstikker fordern vom Staat 235 Gemälde zuürck, die ein Angestellter der Kunstfirma nach der Flucht Goudstikkers 1940 weit unter Wert an NS-Reichsmarschall Herman Göring verkauft hatte. Nach dem Krieg gab Deutschland die Goudstikker-Kollektion zwar an die Niederlande zurück, die Versuche der Witwe des Kunsthändlers, die Bilder zurückzuerhalten, waren aber vergeblich. Nach jahrelangen Verhandlungen sah sich die in Finanznöte geratene Witwe schließlich 1952 gezwungen, auf ihre Ansprüche zu verzichten. Die Werke von Großmeistern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, deren Wert die heimische Presse als "unschätzbar hoch" einstuft, zieren bis heute die Museen des Landes. Nachdem 1997 das Reichsinstitut für Kriegsdokumentation (RIOD) den Fall erneut an die Öffentlichkeit gebracht hatte, fordern die in Amerika lebenden Goudstikker-Erben Schadensersatz-Zahlungen oder zumindest einen eigenen Ausstellungssaal für die 150 bedeutensten Bilder der Kollektion. Diesen Wunsch bügelte jedoch der damalige Staatssekretär Aad Nuis im vergangenen Jahr brüsk ab: Man könne die Geschichte nicht einfach zurückdrehen. Die Urteilsverkündung ist für den 16. Dezember angesetzt.

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