Prozess um Schadensersatz : Kunstberater Helge Achenbach erneut verurteilt

Helge Achenbach muss 1,2 Millionen Euro Schadensersatz an den Unternehmer Bern Viehof zahlen. Der Kunstberater war bereits Anfang Januar zu Schadensersatz und einer Haftstrafe verurteilt worden.

Kunstberater Helge Achenbach
Kunstberater Helge Achenbach im Landgericht in EssenFoto: dpa

Der seit über 15 Monaten inhaftierte Kunstberater Helge Achenbach ist erneut zu einem Millionen-Schadensersatz verurteilt worden. Der 63-Jährige muss dem Unternehmer Bernd Viehof rund 1,2 Millionen Euro wegen überhöhter Rechnungen und nicht abgesprochener Provisionen bei Kunstverkäufen zahlen. Das entschied das Landgericht Düsseldorf am Freitag in einem Zivilverfahren. Achenbach habe seinen Geschäftspartner „arglistig getäuscht“, urteilte Richter Wilko Seifert. Der Kunstberater hatte Viehof 58 Papierarbeiten und sieben Ölgemälde von Georg Baselitz sowie eine Skulptur von Tony Cragg verkauft. Außerdem muss Achenbach Viehof ein Darlehen in Höhe von 1,75 Millionen Euro zurückzahlen. Dies hatte Achenbach im Vorfeld anerkannt. Achenbach war zusammen mit Viehof Mitgesellschafter der renommierten Kunstsammlung „Rheingold“.
Die insgesamt 65 Baselitz-Werke hatte Achenbach nach Angaben des Richters bei einer Galerie für rund 2,9 Millionen Euro gekauft und Viehof dann eine Rechnung über 3,8 Millionen Euro gestellt, auf die er zusätzlich 15 Prozent Aufschlag erhoben habe. Ähnlich sei er bei dem Verkauf der Cragg-Skulptur vorgegangen.

Achenbach dachte zu Beginn der Haft an Suizid

Das Muster ähnelt den Geschäften, die Achenbach mit dem 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht abgewickelt hatte. Wegen Betruges an Albrecht und einem weiteren Unternehmer war Achenbach im März zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Außerdem soll er 19,4 Millionen Euro Schadensersatz an die Albrecht-Familie zahlen. Beide Urteile hat er angefochten.
In einem Interview des Fernsehsenders n-tv sagte Achenbach, dass er zu Beginn seiner Haft an Suizid gedacht habe. „In den ersten Tagen war es wirklich ein Albtraum. Da habe ich oft an Abschied und Selbstmord gedacht“, sagte Achenbach in dem Interview, über das die „Bunte“ vorab berichtete. Das im Essener Untersuchungsgefängnis geführte Interview wird am kommenden Mittwoch (30.9.) ausgestrahlt. Der einst angesehene Kunstberater war im Juni 2014 festgenommen worden. Die Kunstbestände seiner insolventen Firmen wurden inzwischen versteigert.

Er habe Hilfe beim Gefängnispfarrer, Psychologen und Beamten der Haftanstalt gesucht, sagte Achenbach über den Beginn seiner Haftzeit. Im Gefängnis putze er Toiletten, wasche Sporttrikots, singe im Gefängnis-Kirchenchor und helfe bei der Essensausgabe. Sonntags besuche er den Bibelkreis und schreibe an seinen Memoiren. „Ich fühle mich als Krimineller im Gefängnis zwischen unterschiedlichen Kriminellen“, sagte Achenbach. (dpa)

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