Psychologie des Tötens : Der dunkle Passagier

Anders Breivik ist ein Fan der US-Krimiserie „Dexter“. Haben die Filme über einen psychopathischen Mörder den Norweger beeinflusst - ist er etwa ein Nachahmungstäter?

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Dexter Faktor. In den USA wurden zwei Fälle bekannt, in denen Fans zu Mördern wurden.
Dexter Faktor. In den USA wurden zwei Fälle bekannt, in denen Fans zu Mördern wurden.Foto: picture-alliance / Mary Evans Pi

Dexter Morgan ist ein gut aussehender, sympathischer junger Mann, den Millionen Menschen mögen. Außerdem ist er ein Serienmörder, der seine Opfer sauber auseinander schneidet und im Meer versenkt. Die Menschen fiebern mit ihm, wenn eines seiner Opfer sich wehrt und droht, davonzukommen. Ihnen wird angst und bange, wenn die Polizei auf die Spur des Mörders gerät und ein Ende seiner Metzelei in Aussicht steht.

Dexter ist ein Psychopath. Und er ist ein amerikanischer Fernsehserienheld. Die Millionen, die ihn lieben, sind die Menschen vor dem Fernseher. Einer von ihnen: Anders Breivik. Er steht in Oslo vor Gericht, weil er 77 Menschen getötet hat. Die Serie „Dexter“, so heißt es, sah er besonders gern. Ob er ein Psychopath ist wie Dexter wird vor Gericht erörtert. Es geht um die „Schuldfähigkeit“.

Schuldfähigkeit – ein merkwürdiges Wort: Ist der Psychopath unfähig, Schuld auf sich zu laden? Ist er an dem Mord, den er begeht, nicht schuld? Im deutschen Strafgesetzbuch, Paragraph 20 steht: „Ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.“

Sehen Sie hier die Bilder vom Breivik-Prozess:

Rechtsextremer Attentäter Anders Behring Breivik vor Gericht
24. August 2012, das Urteil: Anders Breivik bekommt die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung ausgesprochen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 33Foto: dapd
24.08.2012 22:1224. August 2012, das Urteil: Anders Breivik bekommt die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung...

Bei Dexter Morgan, dem Fernsehpsychopathen, ist das gewiss der Fall. Weil es in der Serie weit weniger um die Taten als um Dexters Bewusstsein und dessen Störung sowie den Umgang damit geht, ist sie so interessant. Im Off-Kommentar und in Rückblenden erzählt der Serien-Held ausführlich davon: Als Kind erlebte er, wie seine Mutter abgeschlachtet wurde. Danach wuchs er bei einem Polizisten auf, der ihn zwar nicht heilen konnte. Aber immerhin brachte er dem gestörten Jungen bei, was gut und böse ist. Also tötet der erwachsene Dexter – wissend, dass das böse ist – nur die Bösen, reihenweise.

Er spricht vom „dunklen Passagier“ in seinem Inneren, er kann nicht anders; seine monströse Schuld ist also, nach unserem Strafgesetzbuch jedenfalls, gar keine. Um den guten Sinn dieses Gesetzes soll es hier nicht gehen. Es geht um die Menschen, die Dexter zusehen und mögen.

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