Kultur : Pub & Pubertät

Ein Enthusiast: Jamie Bell über „Hallam Foe“

Christian Schröder

Die Identifikation eines Schauspielers mit seiner Rolle hat Grenzen. „Ich wohne nicht im Baumhaus, meine Eltern leben noch und, nein, ich möchte nicht mit meiner Mutter schlafen.“ Jamie Bell stellt klar, dass ihn einiges von Hallam Foe unterscheidet, dem ödipalen, voyeuristisch veranlagten Helden des gleichnamigen Berlinale-Wettbewerbsfilms. Dabei kann er sich durchaus vorstellen, mit diesem Hallam befreundet zu sein. „Er hat ein gutes Herz und die seltsamem Dinge, die er anstellt, bis hin zu dieser Kriegsbemalung aus dem Make-up seiner Mutter, sind ein Schrei nach Hilfe.“

Jamie Bell ist der Star des Films, er genießt es, im Mittelpunkt der Pressekonferenz zu stehen. Er gibt den Entertainer, die Tischreihe auf dem Podium, an der er neben Regisseur David Mackenzie und Hauptdarstellerin Sophia Myles sitzt, wird zu einer Art Pub-Tresen, und der 20-jährige Darsteller erzählt in rollendem nordenglischen Akzent Geschichten, deren Wahrheitsgehalt unklar bleibt. Wie schwer es war, einen ganz Film lang korrektes Schottisch zu sprechen, vor allem bei den Bezeichnungen für die „Private Parts“, Intimzonen. Und dass er bei einem Besuch in New York tagelang die Nachbarschaft mit dem Fernglas observiert habe. Den Typen von gegenüber, der in blitzsauberer Unterhose fernsah, will er „Mister Tighty White“ genannt haben.

Bekannt wurde Bell vor sieben Jahren als pubertierender Tänzer in „Billy Elliot – I Will Dance“. Ob er immer diese wütenden Jugendlichen spielen müsse? Er sagt „äh“, räuspert sich, kratzt seine Wuschelfrisur. Mit Billy Elliot habe ihn mehr verbunden als mit Hallam Foe. „Ich habe genau wie er die Ballettschuhe in der Sporttasche vor meinen Freunden versteckt.“ Nach „Billy Elliot“ drehte er sieben Filme, unter anderem „Flags of Our Fathers“ in der Regie von Clint Eastwood. Doch „Hallam Foe“ ist seither die erste englische Produktion. „Enthusiasmus ist mir wichtig“, sagt Jamie Bell. „Deshalb würde ich einen kleinen Film wie Hallam Foe immer einem Studio-Blockbuster vorziehen.“

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