Kultur : Public Singing

Jörg Königsdorf

Die meisten Orchester könnten sich von der Breitenarbeit des Berliner Rundfunkchors eine Scheibe abschneiden: Bei der Eroberung neuer Publikumsschichten ist derzeit kein Klassik-Ensemble so umtriebig wie Simon Halseys Sängerschar. Ob es Massenveranstaltungen wie die Mitsingkonzerte sind, bei denen Werke wie Brahms’ Deutsches Requiem aus abertausend Laien- und Profikehlen tönt, oder ein Chorworkshop für Führungskräfte – der Brite lässt sich immer neue Projekte einfallen, um das public singing für Menschen aller Altersstufen zu propagieren. Dafür kann man ihm nicht dankbar genug sein: Statt nur zu jammern, dass in Deutschland immer weniger Menschen singen, und die drohende Abschmelzung des Musikunterrichts in Berlin zu beklagen, zeigt Halsey öffentlichkeitswirksam, warum das Singen im Chor erfüllend sein kann.

Zentraler Punkt dabei ist allerdings, dass die Ansprüche an die Teilnehmenden nicht auf null heruntergeschraubt werden – wenn sie mit den Rundfunkchor-Profis singen wollen, verlangt Halsey auch von den Laien Vorbereitung. Das gilt auch für die speziell an Schüler gerichtete Liederbörse , die der Rundfunkchor am Samstagnachmittag in Zusammenarbeit mit dem Berliner Sängerbund veranstaltet: Die sieben Grund- und Oberschulchöre, die im Kammermusiksaal auftreten, haben sich mit Rundfunkchor-Mitgliedern gründlich präpariert und nicht nur Gospels und Indianerlieder, sondern auch klassische Chorwerke von William Byrd bis Felix Mendelssohn einstudiert. Gekrönt wird das Konzert übrigens von der Aufführung eines „Fußballkanons“. Denn auch Fußballfans kann es ja nicht schaden, richtig singen zu lernen.

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