Kultur : Pulverdampf der Weltgeschichte

500 Jahre in 100 Bildern: Das Deutsche Historische Museum zeigt Gemälde aus seiner Sammlung.

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Kleine Trommel. Kind mit deutscher Fahne vor Weihnachtsbaum, 1859 von Friedrich Adolf Hornemann gemalt. Foto: DHM
Kleine Trommel. Kind mit deutscher Fahne vor Weihnachtsbaum, 1859 von Friedrich Adolf Hornemann gemalt. Foto: DHM

Am Anfang steht Napoleon. Überlebensgroß, lorbeerbekränzt und in prachtvollstem Krönungsornat blickt er den Besuchern der Ausstellung „Im Atelier der Geschichte“ im Deutschen Historischen Museum (DHM) entgegen. Das um 1810 entstandene Gemälde von François Gérard zeigt den Kaiser der Franzosen auf dem Höhepunkt seiner Macht. Am Ende wird gefeiert. Matthias Koeppels Bild „... und alles wird wieder gut“ dokumentiert die Wiedervereinigungsfreude vom 9. November 1990, dem Tag, an dem das DHM das nationale Geschichtsmuseum der DDR übernahm. Ein Männerchor singt, Menschen essen Bratwürste, vor der Neuen Wache steht eine monumental aufgeblasene Pepsi-Cola-Flasche. Mittendrin im Begeisterungstaumel: Christoph Stölzl, Gründungsdirektor des Museums.

Die Geschichte des DHM reicht bis 1986 zurück. Mit der Ausstellung macht das Haus sich selber ein Geschenk zum 25-jährigen Bestehen (Tsp v. 22.10.). Versammelt sind mehr als 100 Gemälde aus der Sammlung des Museums, die beispielhaft für den Gesamtbestand von gut 2500 Werken stehen. Der Bogen spannt sich über 500 Jahre, ein Zeitraum, dessen Ereignisse und Protagonisten dem Besucher – so der Einführungstext – nicht in Form einer „Meistererzählung“ nahegebracht werden sollen, sondern in „Bruchstücken einer vielfältigen Geschichte“.

„HErr! lehr mich an mein End/gedencken,/Ich denke leider wenig dran,/Du wollst mir Krafft zum Sterben/schencken,/damit ich frölich sterben kann“, heißt es auf dem um 1650 entstandenen Vanitas-Stillleben eines unbekannten Meisters, das mit Totenschädel, Lebenskerze und Stundenglas die Jenseits-Sehnsucht der Epoche vor Augen führt. Doch der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges ist in der Ausstellung allenfalls zu erahnen. Zu sehen sind Feldherren im Harnisch oder hoch zu Ross, ein Reitergefecht und die Belagerung einer oberitalienischen Festung, selbst der Einfall brandschatzender Soldaten in einen Bauernhof wird zur putzigen Genreszene.

So geht es im Schweinsgalopp durch die Geschichte. Auf die Päpste Leo X. und Clemens VIII. folgen mit Luther, Melanchthon und Friedrich dem Weisen die „Gesichter der Reformation“, Prinz Eugen schlägt die Türken vor Wien, Moskau brennt, als Napoleon mit seiner Grande Armée vorrückt. Historie ist hier eine trockene Angelegenheit, im Wesentlichen eine Parade großer Männer, die ernst aus ihren Bilderrahmen gucken. Ähnlich kennt man es aus Schulbüchern.

Dass Maler „Konstrukteure der Geschichtsbilder“ sind, wie es Kurator Dieter Vorsteher-Seiler sagt, dafür liefert dann das 19. Jahrhundert ein paar schöne Belege. Der Düsseldorfer Künstler Arthur Nikutowski macht 1863, ein halbes Jahrhundert nach dem Ereignis, aus der Leipziger Völkerschlacht ein großes Hauen und Stechen mit viel Pulverdamm. Der „Schichtwechsel beim Bau des Gotthardtunnels“, 1886 von Philipp Fleischer gemalt, ist ein ähnlich imposantes Wimmelbild. Christian Schröder

Deutsches Historisches Museum, bis 21. April, tgl. 10–18 Uhr. Das Begleitbuch (Sandstein Verlag) kostet 29,90 €

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