Kultur : Punk ist schön

Benjamin Quabeck über Wut, Erfolg und zweite Filme

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Herr Quabeck, Ihr zweiter Film – und schon geben Sie Interviews im Adlon …

Ich bin selbst erstaunt. Aber Constantin Film, die den Film herausbringen, haben wohl einen eigenen Anspruch, in dessen Genuss ich jetzt komme. Ich stehe nicht unbedingt darauf, unten in der Lobby rumzuhängen, als sei das mein Zuhause. Aber ein Zimmer hier, das ist schon…ganz o. k.

Ihr erster Kinofilm, „Nichts bereuen“, für den Sie zwei Preise bekamen, war Ihre Abschlussarbeit für die Filmhochschule Ludwigsburg. Damals hatten sie 330 000 Mark, diesmal vier Millionen Euro. Mehr Druck oder mehr Spaß?

Ich habe schon mehr Druck gespürt. Bei der Arbeit am Set habe ich das nicht so gemerkt. Aber im Schneideraum habe ich oft sehr lange nachgedacht und viel ausprobiert. „Nichts bereuen“ hatte ich in zwei Monate geschnitten. Für „Verschwende deine Jugend“ brauchten wir acht Monate.

Hatten Sie Angst vor einem neuen Thema? Der Film erzählt ja wieder vom Erwachsenwerden.

Wenn man seinen ersten langen Film hinter sich hat, und dann kommt ein so gutes Angebot für einen zweiten, ist das in dieser flauen Zeit schon etwas wert, das kann man nicht einfach ausschlagen. Außerdem war der AchtzigerjahreAspekt komplett neu für mich, das hat mich gereizt. Ich war 1981 fünf! Ich war auch keiner dieser Fans aus der neuen Generation. Mein Bild von der Neuen-Deutschen-Welle-Szene war ziemlich belastet. Als ich 15 oder 16 war, gab es das erste kleine NDW-Revival, und ich fand’s zum Kotzen. Wie die frühe Welle klang, dass und warum sie aus Punk entstanden ist, habe ich erst aus den Recherchen erfahren.

Wie bekommt jemand, der zur „Generation Golf“ gehört, ein Gefühl für die 80er?

Das geht. Ich habe viel mit unserem Drehbuchautoren Ralf Hertwig gesprochen, der früher mal Schlagzeuger bei der Band „Palais Schaumburg“ war, und hab mir Dokumentarmaterial aus der Zeit besorgt. Und ich habe Jürgen Teipels Doku-Roman gelesen, der ja auch „Verschwende deine Jugend“ heißt. Ich glaube, ich hätte es nicht schlecht gefunden, in der Zeit Teenager zu sein. Obwohl die Achtziger nicht zu meinem Lieblingsjahrzehnt geworden sind und erst recht nicht die Musik. Mir gefiel aber der Punkgedanke.

Welcher?

Machen, einfach. Scheißegal, ob man perfekt ist. Ohne die Angst lächerlich zu sein, die wir heute haben. Dass man auch schon überzeugen kann, wenn man nur genug Wut und ungerichteten Willen hat.

Sie scheinen eher ein stiller, zäher Typ zu sein.

In meiner Jugend, die ja jetzt auch so langsam vorbei ist, war ich ein richtiger Choleriker. Bei meinen ersten Filmen, Splatter-Filmen, die ich mit Kumpels auf der Straße gedreht habe als ich zwölf war, bin ich komplett ausgeflippt. Ich wurde so herrschsüchtig, dass meine Mutter mich irgendwann reinholen musste. Ich bin jetzt aber ruhiger.

Bisher klingen die Titel Ihrer Filme wie Parolen: Nichts bereuen! Verschwende deine Jugend! Hat die Jugend die so nötig?

Kommt mir manchmal schon so vor. Gerade nach „Nichts bereuen“ habe ich mich viel mit Leuten auseinandergesetzt, die jetzt gerade 17, 18 sind. Und ich fand es zum Teil erschreckend. Dass keine Fragen an sich oder die Welt da waren. Ist ja auch schwierig, wenn man von Filmen wie „American Pie“ immer gezeigt bekommt, wie das Leben angeblich wirklich ist.

Und der nächste Film wird wieder einer für ziemlich junge Leute?

Nö. Als Nächstes suche ich mir erst einmal eine Wohnung in Berlin. Und dann schreibe ich eine Geschichte zu Ende, die nicht vom Erwachsenwerden handelt. Sie wird düsterer werden. Und ein bisschen politischer.

Das Gespräch führte Christine-Felice Röhrs.

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