Kultur : Punkt, Punkt, Komma, Panda

Bewegt euch: junge Kunst im Freien Museum

Nantke Garrelts

Was ist denn das für ein Glibberzeug auf dem Boden? Der Pfeiler aus Spanplatten, der mitten im weichen Material liegt, ist fast bis auf den Boden durchgesackt. An den Seiten quillt die gräuliche Masse wellenförmig hervor. In den kommenden Tagen wird sie sich weiter ausbreiten; proportional zur verstreichenden Zeit dehnt sich auch die räumliche Dimension aus. Diese Idee ist preisverdächtig – das fand zumindest die Jury des Mart-Stam-Förderpreises und belohnte die Isländerin Skugga Gudlaugsdottir neben vier anderen Absolventen der Kunsthochschule Berlin-Weißensee mit dem Nachwuchspreis, einer dazugehörigen Gruppenschau sowie dem erstem eigenen Katalog.

Unter dem Ausstellungstitel „Freies Feld“ geht es um Prozesse und Bewegung. Antje Heyn verwandelt in ihrem Animationsfilm „Lumo“ einen Punkt wahlweise in einen Piraten, einen Panda oder eine Krankenschwester. Weniger kunstfertig dagegen hat Kevin Kemter den Zeichenstift eingesetzt – mit infantilen Zeichnungen bildet er den Kosmos eines pubertierenden Jugendlichen aus Pornografie und Jumpand-Run-Spielen ab, die er auf den realen urbanen Raum ausdehnt.

Die konkrete Übersetzung in die Realität probt auch Katharina Lüdicke für ihre „Utopische Behausung“. Aus drei Werbeschildern für Luxusimmobilien bildet sie eine begehbare Installation, die ein provisorisches Lager beherbergt – Wohnraum für Gentrifizierungsopfer, ein Verschlag für die Verdrängten. Praktische Tipps zum CO2-Sparen gibt Lena Panzlau mit ihren Postern und Postkarten für Weltverbesserer, die im Kollektiv mit ihren Freunden entstanden sind, wie eine Fernsehdokumentation zeigt. „Wie wäre es, wenn niemand mehr für sich alleine kochen würde?“, lautet eine Anregung für den Besucher. Wem zum Brutzeln noch Butter fehlt: Die glibberige Masse auf dem Boden ist übrigens Fett. Nantke Garrelts

Freies Museum, Potsdamer Str. 91, Mo–Sa 12–19 Uhr, Do bis 22 Uhr, So 15–18 Uhr

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