Kultur : Puschkin lesen! - Aleksandr Proschkins Historienfilm

Carla Rhode

Was für ein Stoff! Authentische Ereignisse des späten 18. Jahrhunderts, literarisch grandios gestaltet von Aleksandr Puschkin, haben schon drei Filmversionen provoziert. Letztes Jahr entstand, sozusagen zu Puschkins 200. Geburtstag, "Russki bunt", inszeniert von Aleksandr Proschkin ("Paris sehen und sterben", "Der schwarze Schleier"). Thema: ein Kosakenaufstand in den russischen Provinzen. Der Anführer, Emeljan Pugacev, lässt sich zum Gegenzar ausrufen und zieht mit einer riesigen Anhängerschar raubend und mordend durchs Land. Jahre später endet er am Galgen.

In seinem Roman "Die Hauptmannstochter" (1836) verklärt Puschkin den Kosakenführer zum edlen Räuber, der zwar unzählige Morde begeht, aber ein Mannsbild mit Charisma ist. Daran hält sich der Film genau, auch wenn der Darsteller Vladimir Maskov noch einige Berechnung hinzufügt. Auch dass der Film den schlanken, stringenten Roman zu einer mehr als zweistündigen, aufwendigen Inszenierung ausbaut, ist kein Nachteil. Das gewaltige Bildepos zwar erst ein wenig straff entfaltet, allmählich aber entwickelt sich eine faszinierende Geschichte mit toller Dynamik.

Der Ural im Winter. Nichts als Schnee. Ende der Welt. Der junge Gardeoffizier Grinev (Mateusz Damiecki) tritt auf einer Festung seinen ersten, langweiligen Dienst an. Beinahe wie eine Puppe wirkt Mateusz Damiecki in seiner Uniform, sein schmales Gesicht erinnert an den jungen, ziemlich milchgesichtigen Alain Delon. Da ist Pugacev schon ein anderes Kaliber. Den Bauernhorden verspricht er das Paradies auf Erden - und mit ihnen arbeitet er sich, alles niederbrennend und massakrierend, allmählich nach Moskau vor. Grinev gerät zwischen die Fronten. Als Offizier ist er der Zarin Katharina II. verpflichtet, fühlt sich aber auch Pugacev verbunden, der ihm dabei hilft, seine geliebte Hauptmannstochter Mascha (Karolina Gruska) aus den Fängen des widerlichen Rivalen Svabrin (Sergej Machoveckij) zu befreien.

Trotz der vielen Schaueffekte mit reichlich Pulverdampf und entsetzlich zugerichteten Leichenbergen hat der Film einen Sog. Denn inmitten der grandiosen Breitwandbilder bewegen sich einige lebensvolle Gestalten. Verloren gegangen sind leider einige der intelligenten Finten Grinevs, mit denen er seinen Kopf immer wieder aus der Schlinge zieht. Aber die sind leicht nachzulesen - beim Puschkin.Heute 18.30 (Royal), 22.30 (International)

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