Kultur : Pussy Riot: neues Verbot, neue Proteste

Der Fall der kremlkritischen Frauenband Pussy Riot sorgt weiter für Proteste und Soldaritätsaktionen, in Russland und international. Nachdem ein Moskauer Gericht am Donnerstag das Video von ihrem Punkgebet als extremistisch einstufte und anordnete, den Zugang zu dem Clip auf allen Internetseiten zu blockieren, auch auf dem Blog der Musikerinnen, werben russische Internetportale nun für die neue Dokumentation „Pussy Riot. Die wahre Geschichte“. Autorin Vera Kitschanowa habe dafür nach dem Gebet der drei Frauen gegen Wladimir Putin am 21. Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche Interviews mit ihnen geführt, sagte ein Branchensprecher. Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina wurden wegen ihres Kurzauftritts in der Kirche in einem von weltweiten Protesten begleiteten Prozess zu zwei Jahren Straflager verurteilt, Jekaterina Samuzewitschs Strafe ist zur Bewährung ausgesetzt.

In Deutschland erscheint nun „Pussy Riot! Ein Punk-Gebet für Freiheit“ (Nautilus). Und für den 12. Dezember ruft das Internationale Literaturfestival Berlin zur weltweiten Solidaritätslesung auf, an der sich Kulturinstitutionen, Schulen und andere beteiligen können. Für die Veranstaltung im Berliner Martin-Gropius-Bau um 19.30 Uhr hat Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek das Punkgebet von Pussy Riot auf Deutsch eingesprochen, Schauspielerinnen lesen aus den Schlussplädoyers der Sängerinnen. Die russische Performancekünstlerin Joulia Strauss wird über die Möglichkeiten der Solidarität durch Kunstaktionen Auskunft geben. Marieluise Beck, Osteuropa-Sprecherin der Grünen, spricht über die Wirksamkeit ausländischer Proteste und der Osteuropa-Experte Volker Wechsel über die Kriminalisierung von regimekritischen Künstlern und Nicht-Regierungsorganisationen in der Ära Putin. Infos: www.worldwide-reading.com. Tsp/dpa

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