• Putschversuch in Moskau: Gewalt gehört zum Alltag. Warum Moskau verantwortlich für zahlreiche Konflikte ist

Kultur : Putschversuch in Moskau: Gewalt gehört zum Alltag. Warum Moskau verantwortlich für zahlreiche Konflikte ist

Elke Windisch

Gut die Hälfte aller weltweit akuten ethnischen Konflikte sind auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu finden. Häufig liegen ihre Ursachen in der verfehlten Nationalitätenpolitik der Kommunisten. Die zogen willkürliche Grenzen durch die traditionellen Siedlungsgebiete unterworfener Völker. Daraus entwickelten sich zahllose Grenzstreitigkeiten, die häufig mit Waffengewalt ausgetragen wurden und werden. Das postkommunistische Russland hat diese Konflikte nicht gelöst, sondern eher noch verschärft, in dem es als Vermittler Position für den Konfliktpartner bezog, von dem Moskau sich die größte politische Dividende versprach.

1988-1993: Armenier und Aserbaidschaner streiten um die von mehrheitlich von Armeniern bewohnte aber zu Aserbaidschan gehörende Exklave Karabach. Es laufen Verhandlungen unter OSZE-Ägide.

1990: Auseinandersetzungen zwischen Usbeken und Kirgisen wegen gegenseitiger Gebietsansprüche im Fergana-Tal. Die Widersprüche bestehen bis heute.

1991: In Dagestan, Russland, streiten Awaren und Kumyken. Zwar ruht der Konflikt zeitweilig, Widersprüche bleiben aber bestehen. Es gibt zudem latente Konflikte zwischen den über 100 Völkern Dagestans.

1992: In der Region Transdnistrien, Moldawien, ruhen die Waffen und Moldauer und ethnische Russen verhandeln. Letztere sind gegen die damals beabsichtigte Wiedervereinigung mit Rumänien.

1992: Die Osseten in Georgien verlangten Wiedervereinigung mit der zu Russland gehörenden Teilrepublik Nordossetien. Im Moment hält die Waffenruhe.

1992: Im Nordkaukasus kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Inguschen und Osseten um einen von beiden beanspruchten Kreis. Inzwischen wird verhandelt, die Waffen schweigen.

1992-1993: Bürgerkrieg in Tadschikistan - das spätere Friedensabkommen wird von beiden Seiten zunehmend unterlaufen, obwohl GUS-Blauhelme stationiert sind.

1992-1994: In Abchasien verlangen die Abachsen Unabhängigkeit von der georgischen Zentralregierung.

1994-1996: Erster Tschetschenienkrieg.

1999: Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges.

1999: Erste Invasion islamischer Extremisten von Afghanistan und Tadschikistan aus in Kirgisien und Usbekistan, eine zweite folgte 2000, die dritte beginnt gegenwärtig - Ausgang völlig offen.

1999: Im Nordkaukasus kämpfen Karatschaiern und Tscherkessen um die Zusammensetzung der Regierung. Der Konflikt wurde zwar durch Verhandlungen beruhigt, kann aber jederzeit erneut aufflammen.

2001: Am Kaspi-See kommt es im Juli zu Kampfhandlungen zwischen Aserbaidschan, Turkmenien und Iran um Öllagerstätten.

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