Kultur : Quatsch mich nicht an!

JAN GYMPEL

Sollten Sie angesichts des neuen "Code of conduct" der Nachmittagstalkshows ein Defizit an Nuditäten und abseitigen Formen der Sexualität verspüren, so kann das Eiszeit-Kino Abhilfe schaffen: Bei "Blue Hearts Of New York" (Blaue New Yorker Herzen) wimmelt es von merkwürdigen Männern, die sich den verschiedensten merkwürdigen Obsessionen hingeben.

In "Candy And The Fishbowl" (Süßigkeit und Aquarium) versucht ein älterer Herr den Verlust der Schwester im Säuglingsalter damit zu kompensieren, daß er an ihre Stelle tritt.In "Buttercup" (Butterblume) ist ein Maler so sehr von seinem ahnungslosen Modell besessen, daß er seinem Handwerk nicht nur nackt in Nylons masturbierend nachgeht, sondern schließlich bloß in einem letal endenden Akt auf der Dame seine Erfüllung findet.Und in "The Fight" (Der Kampf) dreschen zwei Boxer aufeinander ein - bis sie mitten im Ring erkennen, daß mann sich auch auf andere Art näherkommen kann ...

Freilich: Die sechs Kurzfilme, die in den letzten Jahren an der New Yorker School Of Visual Arts entstanden, sind formal durchweg gelungene Talentproben.

Und es dann geht es ja manchmal auch ganz gesittet zu: In "The Painter" (Der Maler) verliebt sich ein erfolgloser Schriftsteller zwar in die abwesende, unbekannte Frau, deren Wohnung er renoviert, aber ihre Kleider zieht er nicht an."One Too Many" (Einer zuviel) schildert, als mit Fetzen klassischer Musik kommentierter Stummfilm, den grotesken Wettkampf zweier Gockel um eine Frau.Und "Wash - Dry - Fold" (Waschen, Trocknen, Bügeln) ist eine hübsche kleine Großstadtromanze, die sich an einem Wintertag in einem Waschsalon zwischen einem etwas exaltierten Herrn und einer Dame entwickelt, die gerade in ihrer "Quatsch mich bloß nicht an"-Phase ist.Auch solche Zeitgenossen die keine Schmuddeltalkshow-Entzugserscheinungen haben, kann das hundertminütige Programm also unterhalten.

Eiszeit-Kino, bis 22.Juli

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