Kultur : Rabiat

ECKART SCHWINGER

Die Philharmoniker mit zeitgenössischer KammermusikVON ECKART SCHWINGERÜberraschenderweise war mal wieder die neue Musik bei den Philharmonikern dran.Und zwar diesmal gleich in ausgiebiger Form im Kammermusiksaal unter dem Motto "Salzburger Kontrapunkte: Ausblick".Es war gewissermaßen die erste Generalprobe für die Kammerkonzerte bei den Salzburger Osterfestspielen.Und es war ein Erlebnis für sich, wie hierbei die Philharmonischen Solisten mit animierender Entdeckerfreude dem Unbekannten auf der Spur waren. Sogleich das im Konzertsaal kaum einmal zu hörende Quintett op.39 von Sergej Prokofjew war sicherlich für die meisten eine spannende Erstaufführung..Prokofjews unbekannte Ballettmusik "Trapez" liegt dem Quintett zugrunde.Daß es sich dabei um Szenen aus dem abenteuerlichen Artistenleben handelt, war bei den waghalsigen instrumentalen Spitzentänzen, die von den Philharmonikern um Rainer Kussmaul übermütig hingelegt wurden, nicht zu überhören.Die Faszinationskraft des rabiaten wie bizarren Prokofjew ging auf das begeisterte Publikum über. Um kleinere instrumentale Stimmungsbilder oder sogar Seelendramen - von mal mehr stiller, sinnender, mal mehr schmerzhaft expressiver Art - handelt es sich bei Witold Lutoslawskis "Grave - Metamorphosen" für Violoncello und Klavier (Majella Stockhausen) und Gija Kanchelis "Nach dem Weinen" für Violoncello solo.Letzteres ist ein im abgedunkelten Saal gespieltes, philosophisch angehauchtes Kultstück im unverwechselbaren Stil des georgischen Komponisten.Es kommt wie aus fremder Ferne und ist von ausgreifender, ernster Klanggebärde und leise vibrierender Trauer getragen.Am Ende verlangt es ein "kaum hörbares Stöhnen" des Cellisten.Georg Faust zelebrierte es mit abgrundtiefer, ruhiger Gestaltungskraft und einem dynamisch weiten Klanggestus.Bartoks Streichquartett Nr.6 wurde zum Schluß vom Philharmonia Quartett im großen Stil leidenschaftlich ausgelotet.

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