Kultur : "Rach 3": Mit Power

Eckart Schwinger

Die ekstatisch-süße Musik Rachmaninows hat die 1965 in Moskau geborene Lilya Zilberstein mit der Muttermilch aufgesogen. Mit welch rasanter Musizierlust und unerhört sicherem dramatischem Zugriff sie Rachmaninows exzentrische Virtuosenexkurse serviert, verdeutlichte sie bereits vor zehn Jahren zusammen mit Claudio Abbado und den Philharmonikern mit dem c-Moll-Konzert. Nun präsentierte sie beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin im Konzerthaus das d-Moll-Konzert - und ihr großes Temperament, ihre prasselnde, prächtige Technik zogen die Berliner wieder in den Bann. Es war nicht zu überhören, dass sie im Intermezzo einiges auffallend schön auflichtete und auf kapriziöse Weise die lyrischen Stellen betonte. Dennoch ging es ihr vor allem darum, das dritte Rachmaninow-Konzert mit einem unerbittlich scharfen Ausdrucksgestus unter einen in sich geschlossenen, spannungsreichen Bogen zu bringen. Dabei kamen übrigens ihre stahlharten Klangenergien, ihre niederschmetternd wuchtig hingesetzten Akkordketten der Konzerthausakustik nicht entgegen. Da schepperte es ganz gewaltig selbst im rappelvollen Saal. Natürlich verfehlten die furios herausgeschleuderten Steigerungen im Schlusssatz ihre Wirkung nicht.

Eiji Oue entpuppte sich als quirliger Dirigierartist mit einem glühenden Musikantenherzen bei dem von Arnold Schönberg für Orchester gesetzten Klavierquartett in g-Moll von Johannes Brahm. Dabei ging er bei der nicht unproblematischen, streckenweise doch ziemlich bemüht und pastos wirkenden Schönberg-Bearbeitung pausenlos in die Vollen. Und dann kam endlich der Schlusssatz, das stets zündende Rondo alla Zingarese. Das in Topform musizierende RSB präsentierte es mit knisternder Exaktheit. Da war das Publikum ganz aus dem Häuschen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben