Kultur : Rad oder Rembrandt Streit in Amsterdam: Wo bitte geht’s zum Museum?

Saskia Jansens

Gestritten wird um einen Fahrradweg: um den Radweg am Rijksmuseum von Amsterdam. Als Pierre Cuypers im ausgehenden 19. Jahrhundert das Gebäude errichtete, lag es noch am Stadtrand. Er ließ daher einen zentralen Durchgang offen. Der Preis, den der auf Symmetrie bedachte Architekt zahlen musste: Ein zentraler Eingang wurde damit unmöglich. Stattdessen gab er dem Gebäude zwei Eingänge, an jeder Seite des Durchgangs einen. Fußgänger wie später Fahrradfahrer nahmen das Angebot Cuypers an und nutzten den Durchgang täglich zu Tausenden, um in die Südvorstadt zu gelangen. Auch Straßenmusikanten lernten ihn wegen der guten Akustik zu schätzen.

Nun soll der Radweg im Zuge der Neugestaltung des Museums nach den Plänen der spanischen Architekten Antonio Cruz und Antonio Ortiz einem zentralen Eingang weichen. Damit begann das Elend des Reichsmuseums. Der Verband der Fahrradfahrer Amsterdams und besorgte Anwohner bildeten das Komitee „Rettet den Durchgang“. Sie fanden Unterstützung bei der Gemeindeverwaltung Altstadt/Süd, eine der 15 Teilgemeinden von Amsterdam. Die Teilgemeinde beschäftigt sich sonst mit der Beseitigung von Hundekot, Laternepfählen, Parkplätzen und Wohnungen. Sie ist aber auch für die Vergabe von Baugenehmigungen zuständig – auch für diejenige des Reichsmuseums.

Zuletzt ging es im Streit noch um 95 Zentimeter. Die Architekten boten einen Fahrradweg mit 5,05 Metern Breite an. Die „Fahrradfundamentalisten“ forderten aber 6 Meter. Ende Juni setzte die Gemeindeverwaltung dem Streit nun ein Ende: Ihr Beschluss lässt keinen Platz mehr für einen zentralen Eingang. Die beiden Architekten müssen also neu planen. Damit ist auch wieder offen, ob die Erneuerung des Museumsgebäudes wie geplant bis 2008 überhaupt möglich ist.

Der Sieg der Fahrradfahrer verärgert viele Niederländer. Für die Kunstinteressierten bedeutet er wahrscheinlich die Verlängerung des Provisoriums. Sie können zwar 400 der wichtigsten Werke des Museums, darunter Rembrandts „Nachtwache“ weiterhin im alten Gebäude besichtigen, wenn auch immer wieder in andern Sälen. Die anderen Werke sind weit verteilt. Manche hängen im Amsterdamer Flughafen Schiphol und in acht holländischen Museen, andere im Museum der Schönen Künste im belgischen Antwerpen, wieder andere im Museum Kurhaus im deutschen Kleve. Manche dieser Orte kann man übrigens gut mit dem Rad erreichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben