Rae Sremmurd live in Berlin : Unter Welpenschutz

Das Internet liebt es, Paul McCartney ist Fan, und "Black Beatles" ein Riesenhit: Das Konzert des Hip-Hop-Duos Rae Sremmurd im Berliner Kesselhaus

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Die beiden Jungs von Rae Sremmurd
Die beiden Jungs von Rae SremmurdFoto: promo

Bill Drummonds Handbuch „Der schnelle Weg zum Nr.-1-Hit“ war zur Hochzeit der Musikindustrie in den neunziger Jahren eine instruktive Lektüre. Inzwischen ist es mit der Karriere als Popstar sogar noch einfacher. Heute reichen schon einige Songs auf Soundcloud, ein Video auf Youtube als Clickbait und vielleicht eine öffentlichkeitswirksame PR-Aktion. Mit etwas Glück winkt am Ende sogar ein Plattenvertrag. Das Hip-Hop-Duo Rae Sremmurd nahm den umgekehrten Weg. Sie hatten einen Plattenvertrag, bevor das Internet sie berühmt machte.

Über 380 Millionen Mal wurde ihr Video zu „Black Beatles“ bis heute geklickt – dabei verlief die Erfolgsgeschichte des Songs zunächst holprig. Die Plattenfirma suchte händeringend noch einen Hit für den Nachfolger des in den USA platinveredelten Debüts „SremmLife“. In letzter Minute hatten die Brüder Swae Lee und Slim Jxmmi die Idee zu „Black Beatles“, ein im charakteristischen Sremmurd- Phlegma getaktetes Trap-Stück über eine neoromantische Synthesizer-Melodie.

Die Veröffentlichung im Sommer 2016 verlief unspektakulär. Wie eine Bombe schlug „Black Beatles“ erst ein, nachdem der Song als Soundtrack für das kurzlebige Internet-Phänomen „Mannequin Challenge“ zweckentfremdet worden war. Dieser virale Hype bestand darin, dass Menschen Videos teilen, in denen sie in starrer Pose verharren. Selbst Paul McCartney machte mit, die selbsterklärten schwarzen Beatles belegten sieben Wochen lang Platz eins der US-Charts.

Ihr minimalistischer Sound ist produktionstechnisch avanciert

So viel zur Vorgeschichte, die vielleicht nötig ist, um die aktuelle Popularität von Rae Sremmurd zu erklären. Ihr Konzert am Sonntag im ausverkauften Kesselhaus war inszeniert wie ein Blockbuster, mit Fanfaren und Logo. In ihrer Heimat Atlanta standen Swae Lee und Slim Jxmmi lange unter Welpenschutz. Die Hip-Hop-Kultur im Süden der USA ist berüchtigt für ihren rüden Umgangston und einen ausgeprägten Hang zum Hedonismus. Hier werden Songs in den Stripclubs auf ihre Partytauglichkeit getestet.

Rae Sremmurd, in ihren Anfangstagen noch blutjunge Teenager, sind die Boygroup Atlantas. Aus ihren Texten spricht eine jugendliche Unbekümmertheit, die sich an der Vernakularsprache der Großen abarbeitet. Wozu offensichtlich auch eine Vorliebe für „böse Mädchen“ gehört, die sie bei ihrem Auftritt, der programmatisch mit „Start a Party“ begann, wiederholt thematisierten.

Rae Sremmurd als bloßes Internetphänomen abzutun greift allerdings zu kurz. Ihr minimalistischer Sound ist produktionstechnisch avanciert. Live entfaltet das Wechselspiel zwischen druckvollen Bässen und diesem leicht erschöpften Willen zur bedingungslosen Party eine mitreißende Dynamik. Auch das Spiel mit den neuen Medien beherrschen Swae Lee und Slim Jxmmi längst. Zu „Black Beatles“ forderten sie das Publikum auf, die Handys in die Luft zu halten.

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