Kultur : Rätselraten um Zukunft von Adrienne Goehler

F. H.

Als Berlins Kultursenatorin Adrienne Goehler am Mittwoch gemeinsam mit Philharmoniker-Intendant Franz-Xaver Ohnesorg den Stiftungsvertrag des Orchesters unterzeichnete, hob der Musikmanager lobend hervor, Frau Goehler habe ihre Abreise nach Hamburg extra für das freudige Ereignis verschoben. Der Grund ist doppelt verständlich: Zum einen war die Sicherung der Philharmoniker-Zukunft der größte Erfolg ihrer kurzen Senatorenzeit, zum anderen dürfte es auch eine ihrer letzten Amtshandlungen gewesen sein. So sehr viele auch darauf gehofft haben: Die Chancen, dass die Parteilose dem rot-roten Senat angehören könnte, sind fast auf Null gesunken. Zwar wird es vermutlich im neuen Senat ab dem 17. Januar einen Senator ohne Parteibuch geben, doch wird er eher das Justizressort erhalten. Da sich die SPD mit der Entscheidung schwer tut, welche Posten sie überhaupt der PDS anzubieten bereit ist, wird die Kultur wohl an einen Parteibuchbesitzer gehen. Hinzu kommt, dass der ehemaligen Hamburger Hochschulpräsidentin Goehler bei aller offiziellen Neutralität doch ein starker "grüner Stallgeruch" anhängt.

Adrienne Goehler selber erhärtete den Verdacht ihres bevorstehenden Weggangs am Mittwoch, indem sie ungefragt die Sparpläne der Koalition im Kulturbereich (es könnten bis zu 20 Millionen Euro gestrichen werden) geißelte: "Wenn nicht alle zu einem Solidaropfer bereit sind, wird es zur Schließung einer Institution kommen", betonte die Senatorin. Auch für die Kulturarbeit der PDS fand sie harte Worte: An den Sozialisten sei die Reform der Philharmoniker im Parlament fast gescheitert. Was Adrienne Goehler für den Fall plant, dass sie der nächsten Berliner Regierung nicht mehr angehören wird, verriet sie in einem Radiointerview: Dann werde sie ihre Doktorarbeit schreiben - in Psychologie.

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