Kultur : Räume öffnen, Barrieren abbauen Das Forum Kulturpolitik mit Christa Goetsch

Christa Goetsch, Grünen-Abgeordnete in der Hamburgischen Bürgerschaft. Foto: Andreas Weiss
Christa Goetsch, Grünen-Abgeordnete in der Hamburgischen Bürgerschaft. Foto: Andreas Weiss

Zum ersten Mal richtet das Theatertreffen zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung während des Theatertreffens das Forum Kulturpolitik (10.-14. Mai) aus, das Theaterschaffende und Kulturpolitiker zusammenbringt. Christa Goetsch nimmt als Kulturpolitische Sprecherin der Bündnis 90- Grünen-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft daran teil.

Frau Goetsch, was versprechen Sie sich von dem Forum?

Es ist für mich eine besondere Freude, dabei zu sein. Ich war lange in der Bildungspolitik aktiv und bin noch gar nicht so lange in der Kulturpolitik und freue mich deshalb, mit so interessanten Theaterschaffenden diskutieren zu dürfen.

Braucht man dafür dieses Forum? Ich dachte, Kulturpolitiker machen die Hälfte ihrer Zeit nichts anderes, als mit Kulturschaffenden zu reden, aber Herr Roemer von der Heinrich-Böll-Stiftung sagte kürzlich, ein Motiv für dieses Forum sei das gespenstische Schweigen zwischen Politikern und Kulturmachern, das er oft wahrnimmt. Kennen Sie dieses Schweigen auch?

Nein. Hier in Hamburg ist es so, dass ich permanent mit Intendanten, bildenden Künstlern, Kulturschaffenden oder mit der Kreativwirtschaft spreche. In deren ersten Bericht geht es um die Frage, die auch im Forum eine Rolle spielt: Wie findet man Räume für Kreative? Für mich ist es wichtig, aus der Großstadt Hamburg in die Großstadt Berlin zu schauen und zu erfahren, wie man es hier macht.

Mal dumm gefragt: Was ist die größte Herausforderung in der Kulturpolitik?

Wir haben aktuell wieder diese schlimmen, typischen Vorurteile, die durch unsägliche Bücher wie „Der Kulturinfarkt“ geschürt werden, nach denen Kultur immer noch als Luxus angesehen wird. Wir müssen immer wieder für das Bewusstsein kämpfen, dass Kultur ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist und keine Angelegenheit bestimmter Schichten.

Die Autoren des von ihnen erwähnten Buches raten Kulturschaffenden, gefälligst mehr für den Markt zu produzieren. Davon halten Sie nichts?

Davon halte ich gar nichts. Marktorientierung. Ökonomisierung. Wir sehen das gerade sehr dramatisch in den Niederlanden, wo man von einem Niedergang der Konzerthäuser und Theater sprechen muss. Sicherlich sollte jede Einrichtung schauen, dass sie vernünftig wirtschaftet, aber mir kommt es viel mehr darauf an, dass die Theater sich für neue Zuschauer öffnen. Dass sie Barrieren abbauen und ein neues Publikum begeistern. Bei uns in Hamburg ist jedes zweite Kind ein Kind mit einer Einwanderungsgeschichte. Dieser Tatsache müssen die Einrichtungen noch mehr Rechnung tragen. Das Motto muss lauten: Öffnen statt Schließen!

In Berlin wurde in den letzten Jahren das Ballhaus Naunynstraße mit seinem sogenannten postmigrantischen Theater bekannt. Gibt es Vergleichbares in Hamburg?

In diesem Umfang leider nicht. Ich war auch noch nie im Ballhaus und bin sehr gespannt. Ich habe viel über Shermin Langhoff gelesen, die bei uns in Hamburg letztes Jahr den Kairos-Preis der Alfred- Töpfer-Stiftung bekommen hat.

Öffnung der Theater und Migration – gibt es auf dem Forum noch ein Thema, das Sie besonders interessiert.

Extrem wichtig ist auch die Frage: Was tut die Stadt, damit sie kulturfreundlich wird oder bleibt? Wir werden darüber mit einem Stadtsoziologen sprechen. Bei uns in Hamburg wird in der Hafencity ein ganzes Gebiet für Kulturschaffende frei gehalten – das ist schwierig genug, obwohl der gute Vorsatz da ist: Es geht immer um den Kampf Finanzbehörde versus günstigen Raum. Abgesehen davon haben wir in Hamburg auch das Problem, dass Künstler nach Berlin abgewandert sind, weil es dort günstiger ist.

Das Gespräch führte Andreas Schäfer.

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