Kultur : Ragga-Jungle-Mix im ColumbiaFritz

Volker Lüke

Die Rauchwölkchen der 1.-Mai-Krawallnacht sind kaum verzogen, da kommt eine Band in die Stadt, die den passenden Soundtrack für einen revolutionären Straßenkampf liefert. Ihren politischen Protest packt die Asian Dub Foundation aus London jedenfalls in einen schwungvollen Ragga-Jungle-Mix mit unterirdischen Bässen, sägenden Gitarren und gerappten Hochgeschwindigkeitsreimen. Dröhnender ziviler Ungehorsam, der jedem Widerstandskämpfer den Rücken stärkt. Ihr neues Album "Communitiy Music" haben sie nach der Workshop-Organisation benannt, in der sich die Band sammelte, um auf Anti-Rassismus-Veranstaltungen loszudonnern. Dort übten sie sich ein erstaunliches Wissen über Popmusik an, was ihnen heute die Möglichkeit gibt, einerseits die Spielweisen des Dub-Reggae auf das Energielevel von Hardcorepunk zu bringen, andererseits diese Stampede mit anspruchsvollen Breaks und einem Schrankkoffer voller Melodien aus der Heimat ihrer Großeltern anzureichern. Dabei schaffen sie es nicht nur Soundpartikel indisch-pakistanischer Herkunft unterzubringen - den Puls der Tablas, den Klang der Sitar, die Stimme von Nusrat Fateh Ali Khan - sondern auch den Brückenschlag von der DJ-Kultur zur rockenden Live-Band. Bei ihrem Auftritt im ColumbiaFritz entfalten die Jungle-Nummern ihre gnadenlose Wucht. Genussvoll donnern sie ihre Botschaft unters Volk und strukturieren mit wohlgesetzten Pausen ihre Klanggewitter. Eine wütende Mischung aus Attacke und Apologie, die ein wenig Einblick gewährt in die psychologische Verfassug der "Asian Community". Sound gewordener Widerstand, der problemlos mit dem Seelenleben der hiesigen Jugend korrespondiert, die rhythmisch in Schwitzehände klatscht.

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