Kultur : Rambos Linie

Eine

I n Andy Harps Roman „A Northern Thunder“ macht sich ein amerikanischer Rechtsanwalt auf die Suche nach einem alten Schulfreund, der für das nordkoreanische Raketenprogramm arbeitet. Steve Berrys Held hat es in „The Paris Vendetta“ mit einer globalen Verschwörung zu tun, die die Welt ins finanzielle Chaos stürzen will, während Douglas Preston in „Relic“ (deutsch: Museum der Angst) einem grässlichen vorzeitlichen Monster auf der Spur ist und James Rollins’ Sigma Force gegen mysteriöse Massenvernichtungswaffen kämpft.

Dieser Buchtypus des staatstragenden „Wir-retten-den-Planeten“-Thrillers verstopft in den USA die Bücherregale und Bestsellerlisten, spätere Verfilmung (fast) garantiert. Nun brechen Harp, Berry, Preston und andere Vertreter des Genres zu einer speziellen Mission auf. Sie gehen auf Lesereise an den Persischen Golf. „Operation Thriller“ nennt sich das von der U.S.O. angekündigte Programm zur Erbauung amerikanischer Soldaten. Ein Novum in der Geschichte der United Service Organisation, die einst Marilyn Monroe und Bob Hope zur Truppenunterhaltung schickte. Das schriftstellerische Eingreifkommando hat für Grübler, Poeten und andere Weicheier keinen Platz, hier geht es um klare Feindbilder, Abenteuer und Action. Sollen die GIs etwa Philip Roth lesen (zu viel Sex), Paul Auster (deprimierend und verschachtelt) oder irgendwelchen wehrkraftzersetzenden Unsinn mit Vampiren?

Dann doch lieber David Morrell. Er ist der Klassiker der kämpfenden Schreiber. 1972 veröffentlichte Morrell „First Blood“ – es war die Geburtsstunde des John Rambo, des Vietnam-Veteranen, der zu Hause nicht zurechtkommt. Auch Morrell wird auf arabischen Stützpunkten vor GIs lesen. Sylvester Stallone mag berühmter sein, aber Morrell ist sein Erfinder und selbst ein Action-Fanatiker, der sich in Combat- und Überlebenstechniken ausbilden ließ. Seine Philosophie passt zu der martialischen Linie, die General Petraeus für den Krieg in Afghanistan ausgegeben hat. Reingehen, aufspüren, umlegen. Ob Rambo und Co. der Triebabfuhr dienen oder eher der Aggressionssteigerung, ist nicht erwiesen. Zwischen Kriegs- und Antikriegfilmen liegt nur ein schmaler Grat. Was wäre demnach „Apocalypse now“? Coppola lässt da für eine Show „Playboy“-Hasen an die vietnamesische Dschungelfront fliegen.

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