Kultur : Randy Becker: Ein vielseitiger, einfühlsamer Trompete

Maxi Sickert

Rolf Kühn war auch da. Der Klarinettist war damals einer der ersten, mit dem Randy Brecker Jazzerfahrungen machte. Das war vor fast 40 Jahren, als Kühn in New York war und Brecker gerade dort ankam. In dieser Zeit spielte der junge Trompeter auch mit Horace Silver und Joe Lovano, bevor er Anfang der 70er mit seinem Bruder die Gruppe "Blood, Sweat & Tears" gründete und seitdem keine Sorgen mehr hat ... Brecker spielte mit Frank Zappa, Bruce Springsteen und Tina Turner ebenso wie mit Charles Mingus und Aretha Franklin. Die Liste ist endlos. Eigentlich war Randy Brecker auf dem Weg nach Australien, um dort auf einer Party zur Eröffnung der Olympiade zu spielen. Doch der Termin platzte und so hatte er Zeit, um mit dem kanadischen Saxophonisten John Nugent nach Berlin zu kommen. Die beiden haben gerade eine CD veröffentlicht mit dem Titel "Rhythmicity", die auf Nugents eigenem Label NYJAM-Records erschienen ist. Doch im A-Trane wurden nur Standards gespielt. Randy Brecker zeigte sich als vielseitiger, einfühlsamer Trompeter, seine Töne klangen direkt und klar. Eine perfekte Ergänzung zu John Nugent, der auf seinem Tenor bewusst in den tiefen Lagen blieb. Der von Down Beat 1997 zum "Best New Artist" gewählte Schlagzeuger Matt Wilson folgte den beiden dezent und ausdruckstark, doch blieben seine Soli zu vorhersehbar. Bassist Doug Weiss, von Brecker hoch geschätzt, hielt sich innerhalb des Ensembles diszipliniert zurück, während er fließend und melodisch improvisierte. Der gelungene Abend war der Abschied vom Sommer. Bei strömendem Regen macht sich Rolf Kühn wieder auf den Weg. Am 31. Oktober wird er mit Randy Brecker in Nürnberg auftreten.

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