Kultur : Rasanter Startspurt

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Wenn Künstler vom Rang des Bratschenvirtuosen Yuri Bashmet und des Dirigenten Michail Jurowski in Aktion treten und auch noch Werke ihrer russischen Landsleute Schnittke und Schostakowitsch darbieten, darf man mit authentischen Interpretationen rechnen. Bashmet spielte das ihm gewidmete Bratschenkonzert von Alfred Schnittke mit suggestivem Klangstil und gestalterischer Überzeugungskraft: Soviel blutvolle Brillanz bekommt man gerade auf diesem Instrument normalerweise nicht geboten. Schnittke hat das Bratschenkonzert zehn Tage vor seinem schweren Schlaganfall vollendet. Er sprach selbst von einer „traurigen Lebensüberschau an der Todesschwelle.“ Bei aller spielerischen Rasanz reihen sich in der Tat schmerzlich-quälerische Gedanken, sarkastische Akzente und Momente eines klanglichen Verlöschens aneinander. Auch wenn die disparaten Klangwelten und die autobiographischen Bezugspunkte keine ganz fugenlose Verbindung eingehen, handelt es sich dennoch um ein wahrhaft aufwühlendes instrumentales Drama. Daran ließen auch der überlegen agierende Jurowski und das in allen spielerischen Belangen geradezu bedrängend eindringlich musizierende Rundfunk-Sinfonieorchester im Konzerthaus keinen Zweifel. Schostakowitschs monumentale „Siebente“, die „Leningrader“ mit den fürchterlichen Klangfassaden, setzte Jurowski anschließend nicht nur mit einer gelegentlich bis an die Schmerzgrenze gehenden Klangschärfe in Szene – er war auch den zarten lyrischen Partien mit dem ebenso flexibel wie farbschön reagierenden RSB immerzu auf der Spur. Eckart Schwinger

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