Kultur : Rasseln der Türken

OPER FÜR KINDER

Carsten Niemann

Dass Mozart großartige Kinderopern geschrieben hat, ist bei diesem genialen Kindskopf kein eigentlich kein Wunder. Nur weiß es nicht jeder. Ein wichtiger Schritt war es, als das Hamburger „Theater für Kinder“1979 mit der „Kleinen Zauberflöte“ vorexezierte, wie man große Oper für Kinder schon ab fünf Jahren öffnet, ohne das Original zu verniedlichen. Nun gastieren die Hamburger erstmals in Berlin in der Komödie am Kurfürstendamm und zwar mit Mozarts Entführung aus dem Serail (bis 28.12.). Es funktioniert: die Oper ist auf Spielfilmlänge gekürzt, Dekorationen und Kostüme bieten konventionell-attraktive Bilderbuchszenen. Eine Besonderheit: Die Nebenfiguren treten mit den Kindern in Kontakt. Das ist Mozart durchaus gerecht. Schließlich ließ der seinen Osmin nicht ohne Grund in den Schlusschor hineinpoltern.

Wenn die Unruhe auf der Bühne in manchen Arien allerdings größer wirkte als die im meistens sehr gebannt lauschenden Publikum, war das ein schönes Lob für die Sopranistin Arndis Halla. Und Zeichen dafür, dass es sich lohnt, Kindern eine vollgültige Konstanze zu bieten. Vorsichtiger sollte Hartmut Kühn (Belmonte) mit seinem etwas strapaziert wirkenden Tenor umgehen. Apart und souverän dargeboten wirkte der Orchesterpart, wo er nach dem Vorbild traditioneller „Harmoniemusiken“ für Holzbläser arrangiert war. Wünschen möchte man dem Ensemble lediglich einen echten Schellenbaum statt einem Triangel. Denn Kindskopf Mozart wusste: Echte Türken müssen richtig Krach machen dürfen.

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