Kultur : RasßPutin

(Ras)Putin

Stefanie Flamm

Nachdem Boris Jelzin Wladimir Putin im August 1999 zum Ministerpräsidenten berufen hatte, war es wie immer, wenn die Menschen wenig wissen, sich aber vieles denken können: Es kursierten die wildesten Gerüchte. Eines davon besagte, Putins Familie habe ursprünglich Rasputin geheißen und sei möglicherweise mit Grigorij Rasputin, jenem machtbesessenen Einflüsterer der letzten Zarin, verwandt. Doch weder Genealogen noch die neuen Putin-Hagiografen haben Beziehungen zu dem Scharlatan nachgewiesen; und es ist ja auch unwahrscheinlich, dass Putins Großvater Spiridon als Verwandter eines „Büttels der Monarchie“ Küchenchef von Stalin geworden wäre, ja es scheint sogar schwer vorstellbar, dass Jelzin einen Rasputin zu seinem Nachfolger gekürt hätte. Denn auch das neue Russland hatte damals schon seine Erfahrungen mit den Rasputins gemacht, mit dem Schriftsteller Valentin Rasputin um genau zu sein. Seit seiner Novelle „Abschied von Matjora“ (1976) genoss der Dorfpoet großes Ansehen, weshalb Gorbatschow ihn 1990 in seinen Präsidialrat berief. Doch in Sachen Perestrojka erwies sich der Prophet der russischen Umweltbewegung als unsicherer Kantonist. Nach dem Putsch August 1991 ging er unter die nationalbolschewistischen Betonköpfe und war politisch schon erledigt, als der soeben aus dem Geheimdienst entlassene Wladimir Putin noch nicht davon träumen konnte, dass er als russischer Präsident wieder ungestraft Nelken auf das Grab des ehemaligen KGB-Chefs Andropow tragen könnte.

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