• Rat für die Künste fordert stärkeres Engagement der Politik für die Berliner Kulturlandschaft

Kultur : Rat für die Künste fordert stärkeres Engagement der Politik für die Berliner Kulturlandschaft

Ivan Nagel, früher Theaterintendant in Hamburg und zuletzt Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele, hat die neue Berliner Kultursenatorin Christa Thoben dazu aufgefordert, dringend erforderliche strukturelle Entscheidungen in der Berliner Kulturlandschaft zu fällen. "Das ist lebenswichtiger als die Finanzierungsfrage, denn die Berliner Kultur zerbröselt", sagte Nagel am Montag auf einer Pressekonferenz des Rates für die Künste in Berlin, eines Zusammenschlusses von über 200 kulturellen Institutionen der Stadt.

"Die ersten Versuche, alles zu erhalten, sind nicht gelungen", meinte Nagel, der Anfang der 90er Jahre für die Berliner Kulturverwaltung ein Konzept zur Veränderung der Theaterszene vorgelegt hatte. Der Intendant der Berliner Philharmoniker, Elmar Weingarten, sagte, der Rat für die Künste wisse von einem Finanzierungsloch im Berliner Kulturhaushalt von 70 Millionen Mark und von Defiziten an einigen größeren Häusern der Stadt. Der Rat wünsche sich, "dass wir in Zukunft häufiger gefragt werden, als das bisher der Fall war". Der Intendant der Berliner Festspiele, Ulrich Eckhardt, meinte zu Überlegungen, seine vom Bund und Berlin getragene GmbH zu verändern, die Festspiele seien "geradezu prädestiniert für die Wahrnehmung einer Bundespolitik in der Hauptstadt". Damit sei die Stadt aber überfordert, der Bund sei gefordert. Peter Hahn vom Bauhaus-Archiv zog eine düstere Bilanz der Erwerbungspolitik. "Das Thema Neuerwerbungen ist in Berliner Museen fast gegenstandslos geworden." Herbert Mondry vom Berufsverband Bildender Künstler bemängelte das Fehlen einer großen Ausstellungshalle in Berlin für Kunstvereine und Produzentengruppen.

Zur Orchester- und Opernszene in Berlin betonte der Rat für die Künste, die Staatsoper Unter den Linden wisse noch nicht, ob Daniel Barenboim bleiben werde. "Er hat sein Bleiben von weiteren Mitteln abhängig gemacht. Wenn diese ihm vom Regierenden Bürgermeister Diepgen versprochen worden sind, dann hat die neue Kultursenatorin ein zusätzliches Finanzierungsproblem", hieß es. Die in der Rundfunk-Orchester- und Chöre GmbH versammelten fünf Ensembles sind dem Rat zufolge nicht mehr zu finanzieren. Im Moment scheine es so, als ob das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin verkleinert werden solle.

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