Kultur : Raubgut

Gerd Appenzeller

Achtung! Das ist kein Roman, sondern trockene Geschichtsschreibung. Aber es ist ein hochspannendes Dokument eines der größten Kunstraube der neueren Geschichte. Fast 5000 Bilder, Gemälde und Plastiken haben die Nazis ab 1938 zusammengetragen, zu einem nicht unerheblichen Teil geraubt, zu einem nicht geringen über den internationalen Kunsthandel aus arisierten Vermögen erworben. Diese Kunstwerke, vorwiegend des 18. und 19. Jahrhunderts, sollten den Grundstock eines „Braunen Hauses der Kunst“ bilden. Zum Thema Online Spezial: Die große Sonderseite zur Buchmesse
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Hitler schwärmte vor allem für Maler der deutschen Schule des 19. Jahrhunderts. Aber neben unzähligen Porträts trinklustiger Mönche enthielt das Raubgut auch Spitzenwerke der europäischen Malerei. Das eigentlich Erschütternde an Hanns Christian Löhrs Recherchen: Die meisten Bilder sind entweder in Privatsammlungen verschwunden oder landeten im Fundus europäischer Galerien, die sich des dubiosen Erwerbs bewusst sein müssten. Erhebliche Bestände wurden auch von der Roten Armee in die Sowjetunion verbracht. Was gestohlen wurde, verschwand vor allem aus den Kellergewölben des so genannten Führerbaus am Münchner Königsbau. Das heißt: Die Diebe waren Kunstverständige aus der Umgebung Hitlers, die sich eine finanzielle Basis für das Leben nach dem Untergang des „Dritten Reiches“ schaffen wollten.

Hanns Christian Löhr: Das Braune Haus der Kunst.

Hitler und der Sonderauftrag Linz. Akademie Verlag, Berlin. 424 Seiten, 49,80 €.

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