Raubkunst : Auf der Suche nach den Mosse-Bildern

Zum ersten Mal arbeiten Vertreter der öffentlichen Hand und die Nachfahren eines verfolgten Sammlers zusammen: Ein beispielhaftes Berliner Projekt zur Raubkunst.

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Durch das Fenster der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern fällt der Blick auf das Mosse-Palais. Ein Wiederaufbau zwar, nur der historisierende Namenszug auf der Fassade erinnert an das Original, von dem in den nächsten anderthalb Stunden viel die Rede sein soll. Der ursprüngliche Bau am Leipziger Platz ging im Krieg verloren, die Familie Mosse wurde von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen, ihr Besitz in alle Welt verkauft. Über achtzig Jahre später haben sich in der Nachbarschaft des neuen Palais Vertreter eines einmaligen Forschungsprojekts eingefunden, das sich der Sammlung des jüdischen Verlegers widmet, die einst am Leipziger Platz zu sehen war.

An der Mosse Art Research Initiative (MARI) beteiligen sich die Kulturstiftung der Länder, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, the Mosse Art Restitution Project und federführend das Kunsthistorische Institut der FU. Gemeinsam soll in den kommenden zwei Jahren die tausende Bilder, Möbel, Kunstobjekte umfassende Kollektion rekonstruiert werden, eine beispielhafte Initiative, denn zum ersten Mal haben sich Vertreter der öffentlichen Hand und Nachfahren eines verfolgten Sammlers in einer public-private partnership zusammengetan. Rund 500 000 Euro stehen zur Verfügung, mit Aussicht auf Verlängerung um ein Jahr.

„Wir müssen proaktiv werden“, erklärte Präsident Parzinger nun sein Engagement.

Noch lässt sich nicht sagen, wie erfolgreich das Projekt sein wird, gerade erst hat Meike Hoffmann von der FU-Forschungsstelle „Entartete Kunst“ mit vier Mitarbeitern die Suche aufgenommen. So viel auch von Rudolph Mosse, dem Zeitungsmagnaten und Mäzen, dem Förderer sozialer Einrichtungen und durchsetzungsstarken Unternehmer, bekannt ist – die Bestände seiner Kollektion sind nur lückenhaft überliefert. Die Kataloge der Auktionen, in denen der Besitz seiner Familie nach 1933 versteigert wurde, aber auch von 1910 anlässlich der Öffnung seines Palais für Publikum sowie die Korrespondenz mit Künstlern liefern wichtige Anhaltspunkte.

Wie kompliziert die Recherche ist, musste schon Roger Strauch erfahren, Nachfahre und Repräsentant der Familienstiftung in den USA. Einige Restitutionen gelangen bereits, die zurück nach Berlin führten. Darunter befand sich auch Ludwig von Hoffmanns „Frühlingssturm“, das 2016 kurz vor der Auktion bei Grisebach durch eine Spende der Darmstädter Mathildenhöhe zurückgegeben werden konnte, wo es sich die letzten 75 Jahre befand. Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz einigte sich mit den Mosse-Erben, gleich mehrfach. „Wir müssen proaktiv werden“, erklärte Präsident Parzinger nun sein Engagement.

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