Raubkunst : Bayern hat nach dem Krieg geraubte Gemälde an Nazis zurückgegeben

In Bayern läuft eine neue Diskussion über Raubkunst. Wie jetzt bekannt wurde, haben einige ehemalige NS-Größen nach dem Krieg ihre unrechtmäßig erworbenen Gemälde zurückbekommen.

ARCHIV - Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle.
ARCHIV - Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle.Foto: dpa

Die bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben in mehreren Fällen Kunstgegenstände an einstige NS-Funktionäre oder deren Angehörige zurückgegeben oder verkauft, die amerikanische Besatzungsbehörden zuvor beschlagnahmt hatten. Das berichtete der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch in München im Wissenschaftsausschuss des Landtags. Unter den beschlagnahmten Werken waren auch einige, die die Nazis Juden abgenommen hatten. In einem Fall wurden 24 beschlagnahmte Werke, die die Staatsgemäldesammlungen inventarisiert hatten, an Hitlers Fotografen Heinrich Hoffmann zurückgegeben. Dieser hatte gegen seine Enteignung geklagt. Fünf weitere Kunstgegenstände aus der Sammlung Hoffmanns wurden, so Spaenle, an Hoffmanns Tochter Henriette zurückverkauft. Darunter war ein Ölgemälde aus der Werkstatt des holländischen Malers Jan van der Heyden, um das in Xanten am Niederrhein inzwischen ein Rückgabestreit entbrannt ist.

Auch Stücke aus Hermann Görings Sammlung wurden verkauft

Darüber hinaus gab es laut Ministerium auch noch „weitere Verkäufe“ an Familienangehörige ehemaliger NS-Funktionäre. Darunter seien aber keine weiteren Kunstgegenstände gewesen, die die Staatsgemäldesammlungen schon inventarisiert hatten. 1966/67 verkauften die Staatsgemäldesammlungen laut Ministerium auf eigene Initiative 106 Gemälde auf Auktionen und an Kunsthändler. Zwei Ministerien und der Landtags-Haushaltsausschuss hätten zugestimmt. Und noch 1974 wurden mit ministeriellen Genehmigungen weitere Objekte aus ehemaligem NS-Besitz verkauft, darunter Kunstgegenstände aus der ehemaligen Sammlung Hermann Görings. Diese hätten allerdings nicht zum Bestand der Staatsgemäldesammlungen gehört. Seit 2007 werden die Sammlungen systematisch nach Werken durchforstet, die möglicherweise im Verdacht stehen, Nazi-Raubkunst zu sein. 239 von 404 bislang untersuchten Werken wurden wegen Raubkunstverdachts auf der Online-Plattform „Lostart“ eingestellt. Spaenle betonte: „Es gilt der Grundsatz: den Bestand erforschen und Gerechtigkeit herstellen.“ Sepp Dürr (Grüne) beschwerte sich allerdings über eine „Provenienzrecherche im Schneckentempo“.

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