Kultur : Raus aus der Vitrine

Tierleben (1): Shawn Levys Actionkomödie „Nachts im Museum“

Karl Hafner

Seit es Patchwork-Familien gibt, müssen Filmväter ständig beweisen, dass sie besser als Vorbild für den eigenen Sohn taugen als der Neue von Mama, der sein Geld mit Investitionen verdient. Larry Daley (Ben Stiller) hat keinen Job – weshalb es seinen Sohn auch nicht weiter interessiert, dass Daddy schon einmal eine gute Idee hatte: für einen Mechanismus, der das Licht mittels Fingerschnippen an- und ausschaltet. Leider hat sich das Konkurrenzmodell durchgesetzt, die Variante mit dem Klatschen.

Der Sohn, mit dem sich Larry in Shawn Levys Familienkomödie „Nachts im Museum“ herumschlagen muss, ist ein besonders Braver. Ein typischer Filmsohn, bei dem man denkt: Werde glücklich mit Investitionen, aber belästige uns nicht weiter auf der Leinwand! Zum Glück spielt Sohnemann weiter keine Rolle im Film; irgendein Antrieb für Larrys Jobsuche musste halt her. Schließlich geht es um einen typischen Kindheitstraum, um eins dieser Was-wäre-wenn-Gedankenspiele.

Was also wäre, wenn die Exponate des New Yorker Museums of National History in der Nacht lebendig würden? Bei seinem neuen Job als Museumsnachtwächter erlebt Larry genau das. Kaum sind die Besucher weg, will das Saurierskelett in der Museumshalle spielen. Attila der Hunnenkönig will jemanden in Stücke reißen, und Präsident Roosevelt (Robin Williams) sucht das Liebesabenteuer. Zwar gibt es eine zerfledderte Anleitung für solche Notfälle, aber als das Chaos ausbricht, hilft eigentlich nur noch Improvisation – und gesunder Menschenverstand.

Aber über den verfügt Larry nicht – weshalb er eine Paraderolle für den Komiker Ben Stiller abgibt: halb offener Mund, konsternierter Blick und mit Überzeugung hinein ins Unglück. Wie kann man Neandertalern, die seit ewigen Zeiten versuchen, das Feuer zu erfinden, ein Feuerzeug geben, einfach so, ohne jede Erklärung? Klar, dass in der Neandertalerabteilung hemmungslos gezündelt wird. Über die Jahrhunderte haben alle Museumsbewohner Spleens und Kleinkriege kultiviert, weshalb Larry zu einer Art Kindergärtner für Schwererziehbare wird.

Ständig scheppert und kracht es überall: Regisseur Levy betreibt einen immensen technischen Aufwand, um so viele Albernheiten wie möglich auf die Leinwand zu bringen. Dabei ist es wirklich lustig, wie Larry versucht, mit historischem Halbwissen die Probleme der Bewohner zu lösen, nur um alles immer noch schlimmer zu machen.

Doch in der Krise zeigt sich der wahre Kerl, der perfekte Vater: Ehemalige Nachtwächter wollen das magische Artefakt aus dem Ägyptenraum stehlen, das die Tier- und Menschenpräparate überhaupt erst zum Leben erweckt. Larry mausert sich vom Kindergärter zum Feldherrn, und es kracht und scheppert noch mehr. Okay, der Plot nach dem gleichnamigen Kinderbuch ist von den insgesamt sechs (!) Drehbuchautoren miserabel konstruiert, und die Scherze bleiben oft mau. Amüsant ist es trotzdem, so viel netten Unsinn in Amerikas populärstem Familienmuseum zu erleben. Karl Hafner

In 22 Berliner Kinos. OV im Cinestar Sony-Center

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