Kultur : Rauschen aus Röhren - Eine Klanginstallation

Volker Straebel

Vor über einhundert Jahren haben die Klänge ihren Ort verloren. Schallplatte und Radio machten sie ablösbar von ihrem Entstehen, ihre ephemere Gestalt kann seither gespeichert, der Raum, den sie füllen, transportiert werden. Der überwiegende Anteil der Musik, die wir heute hören, ist medial vermittelt, und niemand fragt mehr, wie eine Opernbühne ins Wohnzimmer oder eine Rockband in den Walkman passt.

Eine real nachvollziehbare Form der Klangübertragung bestimmt dagegen das jüngere Werk des japanischen Performers und Klangkünstlers Akio Suzuki. "tubridge 99-00", seine neue Arbeit in der Berliner DAAD-Galerie, knüpft an eine Installation an, die er im vergangenen Jahr bei den Musiktagen Donaueschingen präsentierte.

Suzuki verbindet die vier Räume der Galerie mittels dreier flexibler Kunststoffröhren von etwa handbreitem Durchmesser. An mannshohen Stativen aus verschraubten Gerüststangen ragen deren Mündungen in die Luft und lassen ihre Klänge verströmen. Diese stammen allerdings bei zwei Schläuchen nicht aus den Galerieräumen selbst, sondern aus dem New Taiza Tunnel in Tango, Kyoto. Wie in seinen "Self Study Events", die den Künstler in den sechziger Jahren oft in Höhlen und Tunnel führten, griff Suzuki für diese Tonaufnahmen leicht in die vorgefundene Klangumgebung ein. Hier benetzte er die Fahrbahn mit Wasser, um obertonreichere, vom Echo des Straßentunnels geprägte Rauschverläufe der vorbeifahrenden Autos zu erhalten.

Was in deren Rhythmus nun in die DAAD-Galerie schwappt, ist erfrischend frei von konkreter Narration. Ausgehend von dem aus Tunnel und Bridge (Brücke) gebildeten Titel "tubridge 99-00" mag man über den Ursprung der Röhrenklänge spekulieren und der über den Jahreswechsel andauernden Installation die Verbindung nicht nur von Orten, sondern auch von Zeiten zuschreiben - erfasst hat man das Gewirr der Kunststoffschlangen damit noch nicht. Denn Suzuki schafft einen Raum der Imagination, der Platz lässt für die heitere Erforschung des antizipierenden Hörens ebenso wie für die leichte Melancholie des Besuchers, dem die Klänge stets unerreichbar bleiben.Daad-Galerie, Kurfürstenstraße 58, bis 16. Januar. Täglich 12:30 - 19 Uhr (außer 31. Dezember / 1. Januar). Performance zur Finissage am 16. Januar, 19 Uhr. Katalog mit CD 30 DM.

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