Kultur : RAUTENSTRAUCH-JOEST-MUSEUM, KÖLN

Wo sich Hawaii und Nordafrika treffen.

von
Reisspeicher aus Indonesien. Das größte Exponat des Hauses steht im Eingang. Foto: dpa
Reisspeicher aus Indonesien. Das größte Exponat des Hauses steht im Eingang. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum hat sich mit seiner Wiedereröffnung 2010 einer Radikalkur unterzogen. Das Haus führt nicht länger den aus Kolonialzeiten stammenden Begriff Völkerkunde im Titel, sondern die Bezeichnung „Kulturen der Welt“. Um deren Zusammenschau geht es in dem auf 3600 Quadratmetern ausgebreiteten Parcours mit seinen 13 Stationen: eine ganzheitliche Betrachtung, bei der die Objekte nicht länger bestimmten Bevölkerungsgruppen oder Regionen zugeordnet sind, sondern sich zu Themen wie Wohnen, Kleidung und Schmuck, Religion und Ritual oder Tod und Jenseits fügen. Da mag sich ein Federmantel aus Hawaii mit einem Mundschmuck aus Neuguinea zusammenfinden, ein Männerhaus der Asmat aus Westguinea mit einem Zelt des nordafrikanischen Bergvolkes der Tuareg. „In einer globalisierten Welt ist es wichtig zu lernen, wie sich die Kulturen gegenseitig durchdringen“, erklärt Direktor Klaus Schneider das Konzept seiner 60 000 Objekte umfassenden Erstpräsentation.

Allerdings leidet die Premiere unter Überinszenierung. Im Innern des arg nüchtern geratenen Neubaus entzündet sich ein Feuerwerk museumstechnischer Effekte. Gazevorhänge wehen zwischen den Abteilungen, um die Neugier zu wecken, allerorten öffnen sich Info-Schubladen und starten Videokommentare, als könnte die Schönheit der Objekte nicht für sich selbst sprechen. Und doch überzeugt die technische Belebung der Artefakte, wenn die in Vitrinen ausgestellten Masken, Musikinstrumente oder Alltagsgeräte zumindest filmisch in ihrem Funktionszusammenhang gezeigt werden. Einen wirklich mutigen Schritt aber wagt das neue Museum mit einem dekonstruierten Yamsspeicher aus Neuguinea, der mit seinen gewaltigen Ausmaßen Teil für Teil von der Decke hängt und die Grenzen ethnologischer Museen offenlegt. Jede Präsentation muss Ausschnitt bleiben und kommentiert damit auch die Institution selbst. Nicola Kuhn

www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben