Kultur : Reaktionen auf den Terror: Vorsicht vor blindem Alarm

Peter Siebenmorgen

Seit einiger Zeit liegt dem amerikanischen FBI neben vielen anderen eine konkrete Warnung für neue Terroranschläge vor. Demnach wäre an Halloween, also an diesem Mittwoch, mit einem weiteren schweren Anschlag zu rechnen. Hintergrund ist die Schilderung einer Frau, die am 6. September, fünf Tage vor den Anschlägen auf New York und Washington, mit ihrem afghanischen Freund verabredet war: Die Frau wird versetzt, woraufhin sie zur Wohnung ihres Freundes geht. Doch das Apartment ist vollständig leergeräumt. Vier Tage später, am 10. September erhält die Frau einen Brief ihres Freundes. Darin erklärt er, wie leid ihm sein plötzliches Verschwinden tue und wie gerne er ihr alles erklären würde, was er aber nicht könne. Darüber hinaus soll der Brief zwei Hinweise für die Freundin enthalten: Sie möge auf keinen Fall am 11. September ein Flugzeug besteigen und an Halloween in keine Shopping Mall gehen.

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Themenschwerpunkte: Krieg - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus
Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Erst am Montag haben sich die amerikanischen Behörden zu dieser in den USA seit einigen Tagen kursierenden Geschichte geäußert. Für sie gebe es keinen Anhaltspunkt, sie sei lediglich eine der vielen seit dem 11. September kursierenden Spekulationen, Wichtigtuereien, bösartigen Verunsicherungen.

Auch an dieser Nachricht - der ein wahrer Sachverhalt zu Grunde liegt - zeigt sich, wie schwer es ist, aus der Vielzahl an Nachrichten, Teilinformationen und Gerüchten ein der Wirklichkeit entsprechendes Lagebild zu gewinnen und echte von vermeintlichen Gefahren zu trennen.

Das ist die Schwierigkeit des Kampfes an der unsichtbaren Front: Niemand weiß genau, gegen welchen Feind, gegen welche konkreten Bedrohungen man sich wappnen muss. Die dezentrale Struktur der international operierenden bin-Laden-Organisation kommt zudem mit einem Minimum aufklärbarer Kommunikation aus. Und so sind es eher Zufallsfunde, die die amerikanischen Behörden in den Stand versetzen, für präzisen Schutz zu sorgen und Verhaltensregeln für die Bevölkerung auszugeben, die über allgemeine Terrorwarnungen hinaus reichen.

Hinzu kommt, dass konkrete Warnungen eine fatale Dynamik in Gang setzen können. Zum einen besteht immer die Möglichkeit, dass es sich nur um blinden Alarm handelt. Andererseits kann eine rechtzeitige Warnung der Bevölkerung vor einem tatsächlichen Terroranschlag auch dazu führen, dass die Täter ihre Pläne in letzter Minute aufgeben. Für den Bürger sind die beiden Fälle im Ergebnis kaum voneinander zu unterscheiden: Das Ereignis, vor dem gewarnt wurde, tritt in keinem Falle ein - was dazu führen kann, dass die Wachsamkeit allmählich abnimmt. Und Briefe wie der vom 10. September wirklich nicht mehr Ernst genommen werden.

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