Reaktionen der Stars auf Trump : Die wirklich Abgehängten

Eine Mischung aus Schockstarre und Galgenhumor. Amerikas Stars und Intellektuelle betrauern Trumps Wahlsieg.

von
Michael Moore
Er hat's vorausgesehen. Michael Moore.Foto: dpa

Unter den amerikanischen Stars und Intellektuellen, die im Wahlkampf nahezu geschlossen Hillary Clinton unterstützt hatten, herrscht nach Auszählung der Stimmen eine Mischung aus Schockstarre und Galgenhumor. Nicht nur, dass Donald Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten sein wird – seine Gegner wurden vom erdrutschartigen Sieg des polternden Republikaners auch völlig überrumpelt. Von der „liberalen Arroganz“ ist daher jetzt viel die Rede und die Philosophin Judith Butler fragt: „Schirmt uns unsere weltentrückte Art des Denkens von der Wahrheit ab?“ Die wirklich Abgehängten sind in dieser Lesart die Eliten von New York oder Los Angeles, die den Kontakt zum Hinterland verloren haben.

Immerhin einen Gewinner unter den vielen Verlierern des Wahlabends gibt es. Der Filmemacher Michael Moore hatte bereits im Juli „Fünf Gründe, warum Donald Trump die Wahl gewinnen wird“ veröffentlicht. „Unser größtes Problem ist nicht Trump“, schrieb er. „Es ist Hillary. Sie ist unbeliebt und steht für die Politik der alten Schule.“ Der Essay des bekennenden Linken war als Weckruf gemeint, deshalb schob er „Fünf Wege, wie wir Trump noch stoppen können“ hinterher.

„Bei dieser Wahl geht es nur darum, wer mehr Wähler mobilisieren kann“, heißt es da. „Darum, welcher Kandidat es schafft, die Menschen am Wahltag um fünf Uhr morgens aus dem Bett zu kriegen, weil dringend eine Mauer gebaut werden muss.“ Damit sollte der Regisseur, der auch noch die gewohnt realsatirische Wahlkampf-Doku „TrumpLand“ drehte, Recht behalten. Clinton schaffte es nicht, Afroamerikaner, Latinos und junge Wähler so mitzureißen wie Obama. Nach der Wahlnacht war Moore schnell wieder auf den Beinen, bei einer Anti-Trump-Demonstration in seinem Heimatstaat Michigan. Auf Twitter gibt er sich kämpferisch: „Skandiert es laut: Hillary hat die Pro-Kopf-Wahlen gewonnen. Eine Viertelmillion mehr Amerikaner wollten sie, nicht ihn. Dies ist nicht TrumpLand!“

Nur Clint Eastwood freut sich

Madonna twitterte ebenfalls eine Durchhaltebotschaft: „Eine neue Flamme ist entzündet. Wir geben niemals auf, wir geben niemals nach.“ Ihre Konkurrentin Lady Gaga scheint hingegen in einem postfaktischen Wahlkampf den Glauben an die Kraft der Argumente verloren zu haben. „Amerika, bete!“, lautet ihre Botschaft. Miley Cyrus, die gedroht hatte, im Falle eines Wahlsieges von Trump aus den Vereinigten Staaten auszuwandern, wandte sich jetzt mit einem tränenreichen Video an den designierten Präsidenten und bat ihn schluchzend, die Menschen „mit Liebe, Mitgefühl und Respekt zu behandeln“. Wegen dieser Menschenliebe würde sie auch ihn als Präsidenten akzeptieren. Hip-Hop-Veteran Chuck D, der gerade ungebetenerweise mit seiner Supergroup Prophets of Rage einige von Trumps Auftritten in einer „Make America Rage Again“-Tournee begleitet hatte, fasste sich kürzer: „Hitler ist real.“

Nur ein Star freute sich bislang öffentlich über Trumps Triumph. „Danke Amerika, ich habe nicht mehr lang zu leben. Aber jetzt weiß ich, dass die letzten Jahre großartig werden“, schreibt Clint Eastwood. Der erzkonservative Schauspieler ist 86 Jahre alt.

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