Reaktionen : Historiker empfindet Kritik als "scheinheilig"

Der Historiker Hans Mommsen empfindet die Kritik an Günter Grass wegen dessen Mitgliedschaft in der Waffen-SS als "scheinheilig".

Frankfurt/Main - Da die Einberufung zur Waffen-SS im Spätsommer 1944 in dieser Phase des Krieges nichts Ungewöhnliches gewesen sei, sei die öffentliche Erregung über Grass "unangebracht", sagte Mommsen der "Frankfurter Rundschau".

Grass vorzuwerfen, dass er sein Geständnis nicht früher abgelegt habe, sei "absurd". "Das öffentliche Geheul wäre um keinen Grad geringer und vermutlich um ein Vielfaches stärker gewesen." Das sich anbahnende "Spießrutenlaufen" verkenne, dass dem damals 17-Jährigen die formelle Zugehörigkeit zur Waffen-SS schwerlich zum Vorwurf zu machen sei. Zudem gebe es das Recht auf eine "private Bewältigung".

Grass hatte in der vergangenen Woche offenbart, dass er im Zweiten Weltkrieg als Jugendlicher Mitglied der Waffen-SS war. Diese Zeit schildert er auch in seinem im September erscheinenden neuen Buch "Beim Häuten der Zwiebel". (tso/ddp)

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