Reaktionen in Großbritannien : Lob & Adel

Historiker diskutieren über den stotternden König. Seit "The Queen" hat kein Film die Herzen der Briten so erobert wie "The King’s Speech".

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Als „The King’s Speech“ im Januar in den britischen Kinos startete, spielte er in der ersten Woche 3,27 Millionen Pfund ein. Weltweit nähert sich der 15 Millionen Dollar teure Film über den Kampf des Königs gegen Schüchternheit und Stottern schon der 200-Millionen-Dollar-Grenze.

Aber wie viel stimmt von der Geschichte über die unwahrscheinliche Freundschaft des Königs mit dem Mann aus dem Volke, dem von der kalten Etikette erdrückten George VI. und seinem unkonventionellen, australischen Sprecherzieher Lionel Logue?

Erstaunlich viel. Die Freundschaft ist durch Tagebücher und Briefe gut belegt und währte ein Leben lang. Historiker rügen die üblichen Fehler und Übertreibungen, sind aber nachsichtig. Filme müssen zuspitzen. Das Stottern des Königs wird übertrieben und Logues Erfolge stellten sich ein, lange bevor aus dem widerwilligen Herzog von York König George VI. geworden war. Ganz so draufgängerisch wie im Film war Logue aber nicht. „Mein Großvater fluchte nie in Gegenwart des Königs“, so Logues Sohn Robert. König und Königin waren auch nicht bei den Logues zum Tee. auch sind die Umstände der historischen Radiorede zum Kriegsbeginn sind dramatisiert: Weder Churchill noch das jubelnde Volk waren zur Stelle. Hört man sich die originale Rede auf YouTube an, ist sie der Filmversion von Colin Firth allerdings beklemmend ähnlich.

Der Film befasst sich mit der Beziehung von Edward VIII. und seiner Geliebten Wallis Simpson, nicht aber ihren Hitler-Sympathien. Im Film fordert Churchill die Abdankung Edwards. In Wirklichkeit versuchte er, Edward zu halten und die Abdankungskrise zu vermeiden – was seine Pflicht als erster Minister des Königs war. Der Film legt George VI. prophetische Warnungen vor Hitlers Aggressivität in den Mund, die schlecht zu seiner Unterstützung von Premier Chamberlains Beschwichtigungspolitik gegenüber Deutschland passen.

Doch „The King’s Speech“ ist keine Analyse der britischen Beschwichtigungspolitik, die seit 70 Jahren diskutiert wird. Kritiker wie Christopher Hitchens unterschlagen, dass der König mit seiner Unterstützung für das „Appeasement“ für die Mehrheit der Briten sprach, die Angst vor einem weiteren Krieg hatten. Genau- so wie er dann für sie sprach, als er sie in der Radiorede zum Kriegsbeginn zu Opfern für „Freiheit und Gerechtigkeit unter den Nationen“ aufrief.

Der Film erzählt eine wahre Geschichte: Wie der König gegen sein Stottern kämpfte, damit er seiner Pflicht nachkommen konnte. Und diese Pflicht war es, der Wandlung der Briten von Kriegsangst und Friedenssehnsucht zu Kriegsbereitschaft eine Stimme zu geben.

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