Reaktionen zum Tod von Harry Rowohlt : "Ihr könnt die Bärte jetzt abnehmen"

Harry Rowohlt war der Mann mit der Mähne, dem Zausebart und den famosen Lese-Auftritten. Nach seinem Tod verabschieden sich Fans und Weggefährten im Netz.

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Der Bär in der Originalzeichnung von E. H. Shepard.
Adieu! Seine „Winnie the Pooh“-Hörbücher waren Bestseller. Der Bär in der Originalzeichnung von E. H. Shepard.Foto: Imago

Ob ihm das gefallen hätte, dass selbst der Justizminister Heiko Maas „Wir werden ihn vermissen“ twittert? Der Mann mit der Mähne, dem Zausebart und den famosen Lese-Auftritten hatte eine große Twitter-Gemeinde: „Harry Rowohlt ist gestorben, und auf einmal macht Lesen keinen Sinn mehr“, heißt es da. Oder: „Es ist ein wenig so, als wäre Pu der Bär gestorben“.

Harry Rowohlt, von dem viele glauben, dass er schon mit Zausebart zur Welt kam, hatte zigtausende Fans, Kinder, Enkelkinder, Eltern, Großeltern. Vor allem wegen seiner unglaublichen Vorlesestimme, mit der er zum Beispiel die Kult-Geschichten von „Pu der Bär“ vortrug. Ein Einmann-Orchester: Allein wie Rowohlt seinen Erzähler-Brummbär in einen Brummbärenjungen verwandeln konnte, wenn er Pu sein Organ lieh, wie er eine Nuance heller eine Christopher-Robin-Jungs-Stimme daraus destillieren konnte, um ihr einen Hauch von Naivität zu verleihen, wenn sich Ferkel zu Wort meldet, oder auch etwas leicht eselhaftes Störrisches bei I-Ah. Wenn wieder der Erzähler sprach, wurde es eine Spur ironisch – ohne dass Rowohlt je den heiligen kindlichen Ernst abstreifte.

60 Morgen Geschichten

Politiker waren auch mal jung. Außenminister Steinmeier erinnert sich an die „60-Morgen-Geschichten“ aus dem Kinderzimmer: „Rowohlt beherrschte diese höchste Kunst: das Kind in jedem Menschen zu sehen und in jedem Kind einen Menschen“. Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigt den „charismatischen“ und „wohltuend unkonventionellen Menschen“, für den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel war er ein die „gesellschaftlichen Widersprüche fein filetierender Essayist und Publizist, ein wirklicher Charakter-Schauspieler“. Er stand für „Aufklärung at its best“. Der scheidende Linke-Vorsitzende Gregor Gysi denkt an den genialen und tiefgründigen Vorleser zurück, vor allem an den „fantastischen Übersetzer“. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt twittert „Ruhe in Frieden und vielen Dank, lieber Harry“. Schöne Geste: Rowohlt hat den Grünen mal eine herbe Absage erteilt.

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