Kultur : Rechenfehler: Keine Bibliothek im Berliner Schloss

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Im neu zu erbauenden Berliner Schloss ist weit weniger Platz als gedacht: Statt 100 000 Quadratmetern müsse man mit 60 000 Quadratmetern Hauptnutzfläche auskommen, erklärte Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin nach der zweiten Sitzung der Arbeitsgruppe, die bis Ende des Jahres die Empfehlungen der Internationalen Expertenkommission überprüfen soll. Grund dafür sei, dass die Deckenhöhe der Räume zu niedrig angesetzt worden sei. Jetzt müsse ein Zwischengeschoss entfallen. „Das ist, ich muss es zugeben, ein handwerklicher Fehler der Expertenkommission“, so Nida-Rümelin, der die Debatte in der Arbeitsgruppe gleichwohl sehr offen und lebendig fand.

Dass die Schloss-Befürworter mit ihren Rechnungen in Schwierigkeiten kommen würden, war absehbar: Die zunächst eingeplanten Ausweichquartiere in der näheren Umgebung, im Staatsratsgebäude, in der Breiten Straße und an der Schlossfreiheit, stehen nicht mehr zur Verfügung. Insgesamt sind damit gegenüber dem ursprünglichen Konzept vier Reduzierungen des zur Verfügung stehenden Raums eingetreten: „Und schon bei den ursprünglichen Raumplanungen hatte es ziemlich geknirscht“, sagte Nida-Rümelin.

Nun muss das Nutzungskonzept für das Humboldt-Forum wesentlich verändert werden. Die Berliner Zentralbibliothek, eine der drei potenziellen Hauptnutzer, wird aller Voraussicht nach keinen Platz mehr im Schloss finden. Es sei zu überlegen, ob man thematisch verwandte Bibliotheksteile in das Schloss integrieren könne, so Nida-Rümelin. Am Anteil der Dahlemer Museen mit 39 000 und der Humboldt-Sammlungen mit 6000 Quadratmetern soll dagegen festgehalten werden. Der Raumbedarf der Agora, die mit Gastronomie, Konferenz- und Versammlungsräumen eine Mischung aus kultureller und kommerzieller Nutzung aufweisen und damit selbsttragend sein soll, wird mit mindestens 15 000 Quadratmetern ein Viertel der Gesamtfläche betragen.

Auch bei den Finanzierungsvorschlägen der Expertenkommission meldete die Arbeitsgruppe Bedenken an: Sowohl der Verkaufswert der durch den Umzug ins Schloss frei werdenden Immobilien in Dahlem als auch die Spendenbereitschaft der Bürger seien zu optimistisch angesetzt, so die Fachleute aus dem Bundesfinanzministerium und der Berliner Finanzverwaltung. SchlossBefürworter Wilhelm von Boddien ist hingegen sicher, die zusätzlichen 80 Millionen Euro für die historischen Fassaden durch Bürgerbeteiligung aufbringen zu können. til

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