Kultur : Rechtschreibreform: Eltern, Lehrer und MRR rudern vorwärts zurück

Auch unter den Lehrern in Deutschland entbrennt der Streit um die Rechtschreibreform neu. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sprach sich für eine teilweise Rückkehr zur alten Orthografie aus. Scharf kritisierte er die neue Zusammen- und Getrenntschreibung. Sie sei "völlig wirr". "Ich prophezeie den Tag, an dem wir in der Schule kein benotetes Diktat mehr durchsetzen können." "Da blickt auch der erfahrene Deutschlehrer nicht mehr durch. Da würde ich sagen: zur alten Regelung zurück." Zudem müsse es eine "verbindlichere und exaktere Kommasetzung" geben. "Wir sind jetzt in einer Situation, dass "Schule zum Rechtschreib-Elfenbeinturm wird", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir lehren in der Schule etwas, was über kurz oder lang außerhalb der Schule niemand mehr praktiziert."

Der Deutsche Elternverein will ebenfalls zurück zur alten Schreibweise. . "Es darf nicht sein, dass es zu einem Nebeneinander verschiedener Haus-, Verlags-, Schul- und Behördenorthografien kommt, aus denen sich jeder wie im Supermarkt das passende Produkt aussucht", sagte die Vorsitzende Heidemarie Mundlos. Die Vorsitzenden des Bundesverbandes der Lehrer und Lehrerinnen an beruflichen Schulen, des Deutschen Philologenverbandes und des Verbandes Bildung und Erziehung, Günter Besenfelder, Heinz Durner und Ludwig Eckinger, erklärten dagegen: Eine Rücknahme der Reform sei für Lehrer und Schüler, die mit dem neuen Regelwerk überwiegend positive Erfahrungen gemacht hätten, nicht akzeptabel. Beide bräuchten klare, einheitliche Regeln. Durch das Hin und Her würde die Arbeit der Lehrenden "unerträglich erschwert".

60 Prozent der Deutschen sind nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "dimap" für die Rücknahme der Rechtschreibreform. Die Mehrheit der Deutschen ignoriert nach einer "Focus"-Umfrage deren Regeln. Der Literatur-Kritiker Reich-Ranicki verlangte in der "Bild"- Zeitung: "Es müssen so schnell wie möglich Leute berufen werden, die diese Rechtschreibungsproblematik in Ordnung bringen." Er nannte die Reform "chaotisch", sie führe "allerlei Schreibweisen ein, die ich für sinnlos und überflüssig halte". Die deutschen Schriftsteller seien "so gut wie alle" Reformgegner. Die "FAZ" habe richtig gehandelt, als sie eine Rückkehr zur alten Schreibweise ankündigte. Der Chef des Rowohlt-Verlages, Peter Wilfert, sagte dagegen, eine Rückkehr zur alten Schreibweise würde vor allem für Verlage wirtschaftliche Einbußen bedeuten.

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