Record Store Day in Berlin : Alles besser mit Vinyl

In Berlin war Record Store Day, quasi der internationale Tag, um der Schallplatte zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Unser Autor überlegt sich, wieder in Vinyl zu investieren. Ob er sich dann besser fühlt, weiß er allerdings noch nicht.

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Record Store Day in Amsterdam.
Beim Record Store Day (hier bei einem Ableger in Amsterdam) dreht sich alles um die Platte.Foto: dpa

In Berlin war mal wieder Record Store Day. Das ist der internationale Tag unabhängiger Schallplattenläden, den es seit 2007 gibt, um eben jenen Läden und den dort verkauften Vinylplatten nach ihrem traurigen Niedergang (erst die CD, dann die Digitalisierung) zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Bestimmt waren die Plattenläden in Berlin wieder viel voller als sonst, gibt es an diesem Tag doch immer limitierte Veröffentlichungen, In-Store-Auftritte und andere Gimmicks.

Ich aber muss gestehen, nicht dagewesen zu sein, und das nicht nur, weil ich arbeiten musste. Ich bin kein Vinyl- und kein Klang-Fetischist, habe aber auch rein gar nichts dagegen, dass es wirtschaftlich wieder aufwärts geht mit der Vinylplatte, dass 2014 in Deutschland angeblich wieder so viele Platten verkauft wurden wie seit 1992 nicht, nämlich 1,8 Millionen. Ist super! Sind zwar nur 2, 6 Prozent des gesamten Marktes, trotzdem super! Vielleicht kaufe ich mir auch mal wieder ein Vinyl-Album, das erste nach „Green Mind“ von Dinosaur jr (oder war Nick Caves „Mercy-Seat“-Album das letzte? Blumfelds „Verbotene Früchte“? Keine Ahnung. Ist wirklich lange her).

Ham´ wa nicht, will ick nicht!

Tatsächlich gestaltete sich bei mir der Übergang vom Vinyl zur CD und dann ins Digitale ziemlich reibungs- und emotionslos, da mögen die vielen Vinylplatten mit ihren schönen Covern noch so vorwurfsvoll aus meinen Schränken schauen. Was auch daran lag, dass ich Schallplatten- und Indieplattenläden zwar oft sehr schön fand und finde, diese Kunstwerke ganz eigener Art waren und sind, ihre Betreiber aber oft seltsame Menschen sind, eine sehr eigene Spezies.

Wie der eine in Prenzlauer Berg einen ignorierte, wenn man ihn nach dem neuen Album von Limp Bizkit fragte! Der andere in Kreuzberg bei Fragen nach elektronischer Musik blaffte: Ham´ wa nicht, will ick nicht! Oder jemand wie der Indianer am liebsten schwieg. Komische, nicht immer sympathische Typen (sowieso fast nur Männer), Nick Hornbys Rob Fleming, sein „High Fidelity“ oder Michael Chabons Roman „Telegraph Avenue“ hin, die Supersympathen vom Kreuzberger Soul-Trade-Laden her (wie die gerade vom Record-Store-Day kommende Pop-Kollegin wieder schwärmt!).

Her mit Helene Fischer!

Jedenfalls war es irgendwann gut damit, sich allein deshalb als besserer Mensch zu fühlen, weil man lieber die Chills oder Biff Bang Pow als Herbert Grönemeyer oder Peter Gabriel hörte, weil man rechtzeitig die Go Betweens entdeckt hatte. Dieser ganze Coolness- und Besserwisser- und popistische Ab- und Ausgrenzungsquatsch! Her mit Ariana Grande! Her mit Helene Fischer! Die werden ja nicht nur gehört, die wollen auch verstanden werden.

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