Kultur : Reden und retten

Im Kino: „Happiness Is a Warm Gun“ von Thomas Imhoff

NAME

Die Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Vergangenheit geriet erst in den letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld der Filmemacher. Nun hat sich der Schweizer Regisseur und Dokumentarfilmer Thomas Imhoff eines dunklen Sterns neudeutscher Politromantik angenommen: Sind Petra Kelly und Gert Bastian nicht der letzte biedere Abglanz der alten Mär vom ungleichen Paar, in Liebe und Revolte vereint? Dennoch liegt Imhoffs Film quer zu allen bisherigen Versuchen, Vergangenheit filmisch zu rekonstruieren. Denn der Regisseur versucht gar nicht erst, überlieferte Begebenheiten aus dem Leben des grünen Paares authentisch nachzustellen. Trotzdem besteht er auf historischer Glaubwürdigkeit.

„Happiness Is a Warm Gun“ ist totale Fiktion - und will zugleich total wahrhaftig sein. Der Film fängt da an, wo das Leben seiner Protagonisten aufhört, im Moment des gemeinsamen gewaltsamen Todes. Ein Moment, in dem Gewalt in Glück umschlägt. Denn erst im Transitraum zwischen Leben und Tod scheinen die beiden ihren Ort gefunden zu haben, der Ex-General und die leidenschaftliche Querulantin. Die Frage nach den Motiven des Doppel-(Selbst)-Mordes bleibt dabei ganz ausgeklammert. Und sie wird auch nicht vermisst. Nur die Wunden sind da, sie werden geleckt und verbunden.

Ansonsten gilt es, Fernsehinterviews zu geben und Asylsuchende zu retten. Vor allem aber, sich aneinander abzuarbeiten. Das heißt, zu reden: manchmal mit sich selbst, manchmal miteinander, oft aber aneinander vorbei. Doch ein Dialogfilm ist dies nicht. Und faszinierenderweise gelingt diesem Film genau das, was viele andere verfehlen: eine Klangfarbe zu rekonstruieren – und damit eine vergangene Zeit und ihre Verkehrsformen. Besonders Linda Olsansky als Petra Kelly gelingt es mit fast hypnotischer Präzision, den hysterischen Grundton alternativer Politik in den frühen Achtzigern zu reanimieren. „Happiness Is A Warm Gun“ ist eine schauspielerische Meisterleistung. Der Film muss trotzdem scheitern, weil das Konzept nicht eine ganze Spielfilmlänge trägt. Dennoch überzeugt der Versuch, politische Biographie einmal anders zu inszenieren. Silvia Hallensleben

In Berlin im Central und Moviemento .

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben