Kultur : Refugium

Das Kollwitz-Museum wird 20 Jahre alt

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Am Anfang stand eine spektakuläre Episode der jüngsten Stadtgeschichte, Unterkapitel Denkmalschutz. Denn dort, wo sich heute das Käthe-Kollwitz-Museum befindet, drohte in den achtziger Jahren eine kapitale Bausünde, eine Hochstraße, der große Teile der Randbebauung der Fasanenstraße zum Opfer gefallen wären. Die Bewahrung und Wiederherstellung des schönen Ensembles, zu dem das Museum zusammen mit Villa Grisebach und Literaturhaus gehört, war damals das Zeugnis des Wiedererwachens eines ziviligesellschaftlichen und urbanen Sinnes.

In gewissem Sinne gilt das auch für das Museum selbst, das ein privates Museum ist, für das die Sammlung des Kunsthändlers Hans Pels-Leusden den Grundstock bildete und dessen Gründung ein Verein, der Kollwitz-Museums-Verein, betrieb. Längst hat es seinen Platz als ein bürgerlich-berlinisches Refugium in der Museumslandschaft Berlins gefunden. Denn sein Ruf verdankt sich nicht nur der Pflege des Werkes seiner Namenspatronin, die mehr als ein halbes Jahrhundert in Berlin lebte, sondern auch seinen Ausstellungsaktivitäten, die nicht zuletzt Größen galten, die den eigentümliche Charme der Stadt festhielten – Lesser Ury oder Otto Nagel oder Kurt Mühlenhaupt. Auch damit hat das Haus sein Publikum gefunden. Man mag seine Ausstrahlung daran ablesen, dass der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen dem Freundeskreis des Museums vorsitzt, Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, bekennender Kollwitz-Verehrer, seinem Beirat.

Ganz undenkbar aber wäre der Erfolg des Museums ohne Martin Fritsch und, wie sogleich hinzugefügt werden muss, seine Frau. Seitdem er nach dem Tod von Pels-Leusden 1994 die Direktion des Hauses übernahm, ist hier zu besichtigen, wie ein Außenseiter des Kunstbetriebs die Position seines Hauses verteidigt und ausgebaut hat, indem er es zu einer Herzenssache machte. Fritsch hat, gewiss doch, getan, was Museumsleute tun, aber vor allem haben er und seine Frau für das Haus an der Fasanenstrasse gelebt: Liebhaber der Kunst, aufopfernde Arbeiter auf ihrem Acker. Im zwanzigsten Jahr des Bestehens des Museums werden an diesem Montag beide mit Bundesverdienstkreuzen geehrt. Rdh

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