Regie-Debüt von Anika Decker: "Traumfrauen" : Rezepte gegen Liebeskummer

Anika Decker hat für Til Schweigers Millionen-Hits die Drehbücher geschrieben. Jetzt wagt sie sich selber ins Regiefach. In "Traumfrauen" haben Hannah Herzsprung, Karoline Herfurth und Palina Rojinski allerlei Probleme. Aber viel mehr Spaß.

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Pas de deux. Leni (Hannah Herzsprung) und Joseph (Elyas M’Barek).
Pas de deux. Leni (Hannah Herzsprung) und Joseph (Elyas M’Barek).Foto: Warner/dpa

Es ist nicht richtig lange her, da gab es in den USA eine dieser Untersuchungen über Präsenz und Relevanz von Dialogen zwischen Schauspielerinnen im Film. Erster Befund: Frauen haben durchaus reichlich Sprechrollen im Kino. Zweiter Befund: In größeren Rollen werden die exklusiven Dialoge zwischen Frauen schon seltener. Dritter Befund: Verschwindend gering bleibt jener Anteil von Dialogen, in denen Frauen, wenn sie denn überhaupt im Film miteinander reden, nicht über Männer reden.

Anika Deckers Regie-Debüt „Traumfrauen“ hat jede Menge Frauenrollen mit jeder Menge Dialogen zwischen Frauen, insofern dürfte der Wechsel der Erfolgsdrehbuchautorin von Til Schweiger („Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“) und Detlev Buck („Rubbeldiekatz“) ins Regiefach etwa den engagierten Kolleginnen von ProQuote-Regie strukturell gefallen. Nur ist in den Gesprächen von Hannah, Margaux, Vivi und Leni überwiegend von Männern die Rede, was wiederum männlichen Zuschauern grundsätzlich nicht unangenehm sein muss. Ziemlich angeschmachtet werden sie und ein bisschen ausgelacht; und genau so, mal anrührend, mal zart lächerlich, kommen auch die Frauen in dem Film rüber. Zwischen Romantik und (Selbst-)Ironie also sucht „Traumfrauen“ elegant die Quote.

Schluss mit den Hallodris

Liebeskummer irgendwie haben sie alle vier: Leni (Hannah Herzsprung) hat gerade Schluss gemacht mit ihrem Hallodri von Zukünftigem, ihre stets frustfutternde Schwester Hannah (Karoline Herfurth) gerät immer an den Falschen, und beider Mama mit dem aparten Namen Margaux (Iris Berben) wurde nach 35 Jahren Ehe von ihrem Carl (Friedrich von Thun) gerade wegen einer jungen Physiotherapeutin verlassen. Nur Vivi (Palina Rojinski), Hannahs WG-Mitbewohnerin, kommt im Bett und überhaupt ziemlich cool mit wechselnden Typen klar, hätte aber auch gegen was Ernsteres nichts einzuwenden.

Die Handlung, die zunächst Leni probeweise mit einigen potenziellen Lebensabschnittskandidaten zusammenführt, doch auch den anderen Figuren gewisse Perspektiven eröffnet, setzt auf die situative Anwendung von Lebenshilfe-Rezepten, wie sie auch aus moderneren Frauenzeitschriften bekannt sind. Wie überwindet frau eine Trennung? Durch ein paar einander neutralisierende One-NightStands, dann ist der Ursprungsschmerz schnell weit weg. Oder, schon witziger: Wie lässt sich das ehefrauliche Verlassenwordensein dem neuen Lover am eindrucksvollsten verklickern? „Mein Mann ist von mir gegangen.“

21 Hunde in der Wohnung!

Schon klar, „Traumfrauen“ will nicht zu bedeutsam sein, und das ist durchaus lustig so. Vor allem Karoline Herfurth und Palina Rojinski geben dem Publikumsaffen Zucker, aber auch Frederick Lau als herzensguter Hundefreund – der scheinbar linkische Verführer hält 21 Köter in seiner Wohnung, zum Glück hat bis heute niemand das Geruchskino erfunden! – ist nicht zu verachten. Vergleichsweise natürlich agieren Iris Berben, als Single plötzlich tragisch zurückgeworfen auf „Tennisfreunde und Golffreunde“, sowie Elyas M’Barek als Sonnyboy mit großem Herzen. Und Hannah Herzsprung hält, mal eher kreischend aus der Spur, mal hübsch verloren in der Abwicklung neuer Bindungsversuche, zwischen allen die Mitte.

Auch wenn die zahlreichen „Jedem Topf sein Deckel“-Happy-Ends mit allerlei Ausrufezeichen versehen und sogar verblüffend überdeutlich ausverbalisiert werden: Dieser Autorinnenfilm – Anika Decker schrieb sich ihr Drehbuch diesmal einfach selbst – hat, um es in der Sprache der Shampoo-Fabrikanten zu sagen, Form und Frische. Anders auch als die Millionenseller des Ego-Maniac Til Schweiger atmet „Traumfrauen“, nicht nur weil von mehreren gleichwertig relevanten Schicksälchen die Rede ist, geradezu tiefenentspannt Teamgeist. Und Selbstbewusstsein sowieso, was sich nebenbei auch darin ausdrückt, dass Filmkritiker „Traumfrauen“ vorab begutachten dürfen – ein Verfahren, das Til Schweiger, kurioses Alleinstellungsmerkmal, seit Jahren meidet. Und tatsächlich, durchaus unblödes Unterhaltungskino für Zuschauerinnen und Zuschauer ist „Traumfrauen“ allemal.

Ab Donnerstag in 18 Berliner Kinos

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