Regina Ziegler : Berlinale Tagebuch

Filmproduzentin Regina Ziegler entdeckt Männer, die sich ihrer Tränen nicht schämen.

Ziegler
Regina Ziegler -Foto: dpa

Der gestrige Tag hatte einen Star, den die Öffentlichkeit kaum kennt, aber dem die Film- und Fernsehwelt viel verdankt. Ein letztes Mal war Michael Schmid-Ospach Gastgeber des legendären Presselunch’ der Filmstiftung NRW im Restaurant San Nicci. Knapp ein Jahrzehnt war MSO Chef der Filmstiftung. Viele Produktionen wären ohne diesen engagierten, unbürokratischen, den Kreativen zugewandten Mann nie möglich gewesen. Zu Recht bekam er minutenlange Standing Ovations. Nicht nur bei ihm waren die Augen feucht – endlich deutsche Männer, die auch zu ihren Tränen stehen. Ein persönliches Wort: er wird mir wirklich fehlen. Botschafter, Mittler, Unterstützer und Finanzier für den deutschen Film. Ein wunderbarer Mensch. Viel länger beim Essen geblieben als geplant, rase ich ins Büro. Dort treffe ich unsere Koproduzenten Hans-Wolfgang Jurgan, Jan Mojto, Dirk Schürhoff und Ferdinand Dohna. Wir schauen uns den mit der ARD und EOS produzierten Zweiteiler „Gottes mächtige Dienerin“ an. Die Geschichte handelt von der Biografie Schwester Pascalinas, der Haushälterin Papst Pius XII. Ich liebe solche dramatischen Stoffe, in denen die Widersprüchlichkeit, die Verklemmtheit, aber auch die Leidenschaft der Menschen auf die Leinwand kommt. Ein gnadenloses Selbstlob: wir finden, was wir sehen, wunderbar. Apropos wunderbar: ein schönes Abendessen beim Dining Club. Im großartigen Kaisersaal des ehemaligen Hotels Esplanade am Potsdamer Platz sitzen wir in einem exklusiven kleinen Kreis, geschützt vor der lauten Öffentlichkeit und dem – auch unserem – Selbstdarstellungszwang der Berlinale und führen entspannte, aber auch angeregte Gespräche. Der Mittwochmorgen beginnt mit Plänen für das Festival von Monte Carlo, das vom 6. bis 10. Juni mit dem Focus Deutschland stattfindet.

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