Kultur : Reich und schön

Exklusiv: Die Biennale des Antiquaires in Paris

Claudia Herstatt

Keine Kunst- und Antiquitätenmesse ist so elegant und prächtig wie die alle zwei Jahre stattfindende Biennale des Antiquaires in Paris. 1350 Euro lassen sich die knapp hundert Händler den Quadratmeter unter der gläsernen Kuppel des Grand Palais kosten und legen noch jeder 10 000 Euro für ein Galadiner obendrauf. Der Veranstalter, das Syndicat National des Antiquaires, bestreibt das Prestigeunternehmen unter Schirmherrschaft von Staatspräsident Nicolas Sarkozy mit enormem Aufwand: 35 Millionen Euro kosten Organisation und Aufbau der Messe. Dagegen nimmt sich die weltwichtigste Kunst- und Antiquitätenmesse, die Tefaf in Maastricht, geradezu bescheiden aus. Dort liegt der Quadratmeterpreis gerade einmal bei 258 Euro. Das ist weit erschwinglicher als in Paris und der Londoner Grosvenor House Messe, die als zweitteuerste gilt – nur Mitglied muss man sein, beziehungsweise eingeladen.

4100 Quadratmeter Ausstellungsfläche stellt die Biennale den 94 Händlern zur Verfügung. Das ist nicht viel, selbst die Kunst Messe München verfügt über 10 000 Quadratmeter. Für den Brüsseler Design-Händler Phillipe Denis mit großem Platzbedarf kommt die Biennale in Paris seit ihrer Rückkehr in das frisch restaurierte Grand Palais nicht mehr in Frage. Die Kollegen von der Galerie Downtown (Paris) und Yves Macaux (Brüssel), der Galerie du Passage und Willy Hubrechts (Paris) haben ihre Stände mit eleganten Objekten des Art Deco und des Designs des 20. Jahrhunderts bestückt. Das ist einer der speziellen Ausprägungen der Biennale. Die Galerie Patrick Seguin (Paris) widmet dem Nachkriegsdesigner Jean Royère eine fabelhafte kleine Werkschau mit dem Charakter eines kleinen Appartements.

Die auserlesenen Stände, die Objekte, das elegante Publikum können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Biennale eher der Selbstdarstellung des Syndicats gilt als den Wünschen der Händler. Der Münchner Altmeisterhändler Konrad O. Bernheimer sagt: „Anders als in Maastricht bekommt man hier seinen Stand zugeteilt und fertig. Außerdem wird erwartet, dass die Stände von morgens um elf bis abends um elf besetzt sind. Das kann unter dem sich stark aufheizenden Glasdach zur Tortur werden.“ Immerhin hat man aus den Erfahrungen gelernt und 4 Patios mit Sitzgelegenheiten eingerichtet (bis 21.9., tägl. 11-23 Uhr).

30 Händler sind der Veranstaltung in diesem Jahr ferngeblieben, darunter der Experte für antiquarische Kostbarkeiten Heribert Tenschert. Mit seinem in der Schweiz ansässigen Antiquariat Bibermühle ist er regelmäßig Gast auf der Tefaf, den Munich Highlights und der seit zwei Jahren existierenden Salzburg World Art Fair. Die Biennale in Paris ist ihm schlicht zu teuer. Er hat sich parallel an den Champs Elysées in der Galerievon Gilles und Stephane Bresset niedergelassen. Hier findet nun ein Rencontre von Buchkunst und mittelalterlicher Plastik auf höchstem Niveau statt (bis 27.9.). Die intime Atmosphäre zieht ein mindestens so erlesenes Publikum an. „Das funktioniert so gut,“ sagt Tenschert, „dass ich mich nicht mehr zum Büttel der Biennale machen lassen muss.“ Auch andere Händler denken ähnlich. Der Quai Voltaire in Sichtweite des Grand Palais lädt zum Galerienhopping ein. Das ist attraktiv, zumal erstmals zur gleichen Zeit der „Parcours du Monde“ mit außereuropäischer Kunst stattfindet.Claudia Herstatt

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben