Kultur : Reiche Ernte

Kehlmann, Bellow, Schernikau: Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2009

Es ist ein schöner, vor allem aber jedes Jahr aufs Neue gültiger Satz, den sich der Jury-Vorsitzende des Preises der Leipziger Buchmesse, Ulrich Greiner, zu den diesjährigen Nominierungen hat einfallen lassen: „Auch in diesem Frühjahr hat sich das hohe Niveau der deutschen Verlagsproduktion wieder aufs Schönste gezeigt.“ Dann aber hat Greiner noch einen Satz angefügt, der darauf hinweist, wie um die Titel gerungen wurde: „Im Bereich Belletristik war sie sogar so groß, dass die Jury ausnahmsweise sechs Titel nominiert hat – weniger wäre in ihren Augen ungerecht gewesen.“

Man muss aber sagen, dass gerade die Belletristik eher frei von Überraschungen ist und die Jury keinen der nominierten Titel hätte ignorieren können, vielleicht abgesehen von Reinhard Jirgls „Die Stille“. Jirgl ist in den letzten Jahren bei Nominierungen wie diesen meist unbeachtet geblieben. Wilhelm Genazinos neuer Roman „Das Glück in glücksfernen Zeiten“, Andreas Maiers von der Kritik zumeist gefeierter Roman „Sanssouci“, Sibylle Lewitscharoffs mit viel Vorschusslorbeeren bedachtes neues Werk „Apostoloff“, Julia Schochs nach ihrem zweiten Preis in Klagenfurt 2006 lang erwarteter Roman „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“, schließlich Daniel Kehlmanns „Ruhm“ – das sind sie. Und das waren auch die Titel, die zuletzt hinter vorgehaltener Hand immer wieder genannt wurden. Mit einer Ausnahme: Daniel Kehlmann. „Ruhm“ war wohl das Buch, um das am meisten gerungen wurde und zu der „Lex Kehlmann“ mit sechs Titeln führte. Ein Bestseller sowieso – aber ein Buch und ein Autor, die für einen Preis wie diesen vielleicht schon zu groß und berühmt sind? Darum dürfte es gegangen sein. Kehlmann muss auf die Liste. Aber er ist kein Autor, der mit dem Leipziger Buchpreis einem noch größeren Publikum bekannt gemacht werden kann, wie es eine der Intentionen des mit insgesamt 45 000 Euro dotierten Preises ja ist. Das gelingt vielleicht ausnahmsweise mal mit den anderen Sparten: Für das Sachbuch wurden Herfried Münklers „Die Deutschen und ihre Mythen“ nominiert, Jürgen Neffes Darwin-Buch, Karl-Heinz Otts Buch über Georg Friedrich Händel, Andreas Kosserts „Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945“ und Matthias Frings’ Biografie über Ronald M. Schernikau, den vermeintlich „letzten Kommunisten“. In der Kategorie Übersetzung ragt Susanne Langes Don-Quijote-Übersetzung heraus, dicht gefolgt von Eike Schönfeld, der Saul Bellows großen Roman „Humboldts Vermächtnis“ neu übersetzt hat. gbar

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