Kultur : Rein ins Kunstlicht M’schatta-Fassade: 

Der Streit geht weiter

Jennifer Lynn Erdelmeier

Gleich zu Anfang verdeutlicht der Generaldirektor der Staatlichen Museen Michael Eissenhauer seine Position: der Konflikt um die Neuplatzierung der M’schatta-Fassade im Pergamonmuseum sei für ihn nicht „nachvollziehbar“. Vor dieser Fassade diskutierten hochrangige Wissenschaftler zum Thema „Gegenwart der Objekte und die Räume der Geschichte“. Orts- und Themenwahl waren also nicht zufällig gewählt. „Es ist unser Bestreben das Islamische Museum zu verlegen und in den Mittelpunkt des zukünftigen Museumsrundgangs zu stellen.“

Nur durch die Verlagerung des Kunstobjekts an die prominente, aber eben auch umstrittene Stelle, könnte sie entsprechend gewürdigt werden. Zurzeit steht die Fassade im Südflügel des Pergamonmuseums. Im Zuge der anstehenden Sanierungsarbeiten, die voraussichtlich im Jahr 2013 beginnen, möchte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz diese in den „Stadtbahnsaal“ des Nordflügels verlegen. Das bedeutet: raus aus dem Tageslicht – und rein ins Kunstlicht. Dafür muss die Fensterfront zugemauert werden, da sie von der Fassade verdeckt wird. Und genau hier liegt das Problem: Gerade die gewölbten Fensternischen sind es, die dem Saal heute seinen einzigartigen Charakter verleihen.

Der Landesdenkmalrat sieht durch die radikalen Eingriffe in die Bausubstanz den Status der Museumsinsel als Weltkulturerbe gefährdet und lehnte im März die Pläne der Stiftung für den Umbau ab. Als Alternative schlägt der Landesdenkmalrat vor, die M’schatta-Fassade auf der den Fenstern gegenüberliegenden Seite aufzubauen. Damit wären alle Probleme gelöst: die Fassade bliebe Teil des neugeplanten Rundgangs, und die Fenster müssten nicht zugemauert werden.

Das sieht die Stiftung Preußischer Kulturbesitz allerdings anders und lehnte diesen Vorschlag ihrerseits ab. Die Besucher würden so nicht direkt auf die Fassade zulaufen, und die Neuinszenierung sei dadurch hinfällig. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp sprang der Stiftung bei: „Der Raum ist unwürdig, das Objekt ruft nach Befreiung, es wird bedrängt.“ Mit keinem Wort erwähnte Michael Eissenhauer, dass die Stiftung, solange sie den Denkmalwert der Fassade über den des Museums stellt, den Status der Museumsinsel als Weltkulturerbe gefährdet.

Tatsächlich hat das Unesco-Komitee jetzt eine Anfrage an das Land Berlin gestellt. Es will informiert werden. Jennifer Lynn Erdelmeier

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