Kultur : Reine Privatsache

Das Berliner Kunstkontor Rampoldt zeigt eine Kollektion der „Griffelkunst“

Christiane Meixner

Zwischen Couchgarnitur und Billardtisch blickt man direkt in die „Schweizer Alpen“. Gerhard Richter hat sie 1969 als „Motiv B3“ drucken lassen und ihre trotzige Unzugänglichkeit mit einem fahlen Blaugrau betont, das die Berge noch entrückter wirken lässt. Begehrlichkeiten wecken sie trotzdem, genau wie die Arbeit von Oskar Kokoschka, ein Holzschnitt Otto Pankoks oder die Radierung „Junge mit Fohlen“ von Renée Sintenis.

Hartmut Rampoldt zeigt diese Schätze in seiner Berliner Wohngalerie, verkauft allerdings diesmal nicht ein einziges Blatt. Stattdessen möchte er die Einzigartigkeit und gewachsene Qualität eines Konvoluts von insgesamt 300 Werken zeigen, das die ehemalige Hamburger Senatorin Irma Keilhack von den frühen Dreißigerjahren bis 1972 mithilfe des Hamburger Sammlervereins „Griffelkunst“ zusammengetragen hat und das heute einem Erben gehört.

Signiertes von Ernst Barlach und Alfred Kubin, Paul Weber oder Ludwig Meidner mischt sich nun im „Kunstkontor Hartmut Rampoldt“ mit privatem Mobiliar. Das passt, denn auch die „Griffelkunst“ hat einen ähnlichen Anspruch: Ihre Grafik ist ausschließlich für private Zwecke gedacht. Wer mit den Blättern zu handeln versucht, riskiert seinen Ausschluss. Und auch mit diversen Auktionshäusern hat man inzwischen eine Abmachung getroffen: Griffelkunst wird hier nicht mehr versteigert.

Nur so, erklärt Britta Peters für den gemeinnützigen Verein, ließe sich eine wunderbare Idee auch für die Zukunft bewahren. Seit 1925 versorgt die „Griffelkunst“, die von dem Volksschullehrer Johannes Böse gegründet wurde, ihre Mitglieder von Hamburg aus preiswert mit Originalen renommierter Künstler und solcher, die es gerade werden. So hat Irma Keilhack nach Barlach und Kokoschka auch Blätter von Erwin Heerich oder ein „Übungsstück“ von Franz Erhardt Walther ausgewählt, das es Anfang der Siebzigerjahre als großformatigen Farboffsetdruck gab.

Wer heute Mitglied ist, der hat die Wahl zwischen so aktuellen Künstlern wie Franz Ackermann, Daniel Richter, Peter Doig, Jakob Kolding und Rosemarie Trockel. Zu Preisen, für die man häufig nicht mal einen Kunstdruck bekommt. Denn nach wie vor ist der Jahresbeitrag bescheiden: Für 112 Euro gibt es jährlich vier signierte oder mit einem Nachlass-Stempel versehene Blätter. So genannte Zusatzblätter erweitern das Angebot. Zweimal im Jahr reist die „Griffelkunst“ mit ersten Probedrucken durch 89 Orte in Deutschland, aus denen jedes der aktuell gut 4200 Mitglieder seine Lieblingssujets wählt. Anschließend wird in vorbestellter Höhe gedruckt. Die Auflagenzahl bleibt stets geheim – schon damit sich kein Preis für die Grafiken ermitteln lässt.

Kunstkontor Hartmut Rampoldt, Giesebrechtstraße 16, bis 1. Juli; Dienstag bis Freitag 16–19 Uhr. Informationen zur Griffelkunst unter www.griffelkunst.de.

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